Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1917)
- Article
- Die Judenmission unter den jüdischen Soldaten
- Date
- 1917-10-01
- Page
- 406 (sequence 3)
- Language
- German
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<06 .Im Deutschen Reich'.- So gelangte einmal an ihn die Mitteilung, ein Verline? Missionar Rudnitzki, ein getaufter Jude und Baptist, suche in einigen Kriegsgefangenenlagern Brandenburgs, in denen er christliche Schriften — natürlich nur zur Erbauung von Christen — verteilen durfte, sich russischen Juden als Jude zu nähern oder ihnen Schriften zu übermitteln, um ihnen die Bekehrung zum christlichen Glauben nahe zu legen. Daß dieses Vorgehen ein Mißbrauch jener Erlaubnis und eine taktlose Ausnutzung einer Zwangslage war, braucht' nicht erst näher ausgeführt zu werden. Die Klage durch den Verband der deutschen Juden war also berechtigt und wurde auch vom Kgl. Preußischen Kriegsministerium als berechtigt anerkannt, denn es erklärte in dem Schreiben — vom 23. Februar 1915 c— „d a ß dasKriegsministerium allenBestrebungen, an Kriegsgefangenen Bekehrungsversuche vor* 3 it n e h m e n, ablehnen d gegenübersteh L". And dann wird hinzugefügt: „Rudnitzki hat lediglich die Erlaubnis erhalten, die Gefangenenlager zur Verteilung religiöser Schriften an die russischen Gefangenen zu besuchen. Ihm wurde dabei ausdrücklich die Verpflichtung auferlegt) keinerlei Bekehrungsversuche unter den jüdischen Gefangenen zu machen, sich mit Letzteren überhaupt nicht zu beschäftigen." Daß aber solche Versuche auch in anderen derartigen Kreisen unternommen werden, entnehmen wir einem Berichte im „Zionsfreund", dem Blatte der Hamburger Iudenmission, — von Januar 1915. — Dort heißt es: „Bruder Arban, Striegau, schreibt uns, in einem Gefangenenlager, das er besuchen dürfe, befänden sich 20 000 Bussen, darunter 1200 Juden. Er bat um geeignete Schriften, die wir ihm gern sandten." Oder: ein Prediger S. aus Schlesien schreibt, er habe in den Lagern wiederholt Anterredungen im Kreise von 50 bis 80 Juden. Auch kranke israelitische Soldaten müssen derartige liebevolle Amwerbungen über sich ergehen lassen. Das zeigt uns z. B. die Mitteilung, daß in einem Lazarett zu Lörrach (Baden), das Baseler Wissionsblatt „Der Freund Israels" vertrieben wurde. Noch interessanter ist folgender Vorfall: Ein jüdischer Soldat liegt in einem Wilitärlazarett. hier erhält er von einem ihm völlig unbekannten Herrn aus Stuttgart ein richtiges Bekehrungsschreibeu mit entsprechenden theologischen Darlegungen. In demselben wird unter anderem betont, daß „das Iudenvolk den Fluch der Verwerfung tragen muß und in manchen Ländern als ein Fluch sogar empfunden wird." Der Schreiber ladet ihn auch durch Beifügung eines Briefumschlages mit seiner Adresse zur Antwort ein und läßt ihm christlich-religiöse Zeitungen zukommen. And die Wirkung? Der Soldat schreibt höchst aufgeregt über „diesen Brief, dessen Inhalt ein wirklich empörendes Geschreibe ist". Der diese