Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1917)
- Article
- Die Judenmission unter den jüdischen Soldaten
- Date
- 1917-10-01
- Page
- 405 (sequence 2)
- Language
- German
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Die Iudenrnission unter den jüdischen Soldaten. 4üu kehr zu erreichen, und suchen auch, vor allem durch Missionspredigten, Christen als Freunde und Mitarbeiter zu gewinnen. Sie haben die günstige Gelegenheit dieses Weltkrieges nicht unbenutzt vorübergehen lassen. Sie wußten, daß der jüdische Soldat im Feldlager vielfach mit ihren Gesinnungsgenossen verkehre, und übersandten deshalb den letzterem: — soweit es nicht direkt .an die Juden ^geschah — entsprechende Schriften oder Flugblätter, „damit sie dieselben ihren jüdischen Kameraden übergeben oder durch Gespräche sie für das Christentum erwärmen". Auch in die K rankensäle, wo jüdische Verwundete ihre Genesung erwarten, kamen Werbebriefe, um zunächst ihre Seelen von der Krankheit des Judentums zu heilen. Vor allem aber gingen Missionare in den Gefangenenlagern umher und näherten sich mit ihren Sirenenklängen den kriegsgefangenM russischen Iudenj, Die Kunde von diesen Tatsachen drang zum Vor stände des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, und er hielt es für seine Pflicht, —. zumeist durch Vermittlung des Verbandes der deutschen Indem-—' gegen diese Bekehrungsverversuche bei den zuständigen Behörden Einspruch zu erheben. Man könnte einwenden, daß der Zentralverein hierzu nicht berechtigt sei, weil er nur dafür zu kämpfen habe, daß die durch das Gesetz gewährte Gleichberechtigung den deutschen Juden in keinem Punkte versagt werde, während es sich doch hier um Angriffe auf die jüdische Religion also das Judentum handle. Allein diese Auffassung ist eine irrige. Denn das Vorgehen der Missionare ist in derartiges, daß die davon Betroffenen sich oft persönlich verletzt, in der Freiheit ihres religiösen Fühlens eingeschränkt sehen. Schon die oft ausdringliche Art, wie ihnen derartige Schriften zugeschickt werden, kann in gewissem Sinne als widerrechtlich bezeichnet werden, weil ihr Zweck denjenigen beleidigt, der sein Judentum liebt. Wie nun gar erst, da in jenen Schriften nicht selten den Juden, zu denen der Empfänger gehört, gewisse schlechte Eigenschaften vorgeworfen werden, und da drittens dieser Empfänger als nntergebener Soldat im Feldlager oder gar als Kranker oder Kriegsgefangener sich in einem Verhältnisse befindet, das ihm die Zunge bindet, ihn daran hindert, den Absender rückhaltlos frei uNd nachdrücklich abzufertigen. Die nötigen Schritte aber zur Anterbichdung einer derartigen Propaganda bei den zuständigen Kommandostellen konnte niemand mit größerem Rechte unternehmen als der Verteidiger des jüdischen Rechtes, der Centralverein der deutschen Juden. And die angegangenen Behörden habchl ihn auch als Sachverwalter anerkannt, indem sie auf seine bezüglichen Beschwerden eingingen.