Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1917)
- Article
- Die Judenmission unter den jüdischen Soldaten
- Date
- 1917-10-01
- Page
- 404 (sequence 1)
- Language
- German
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<0* - Im Deutschen Reich. Dir IudcrnrrWmr unter den jüdischen Soldaten. Von Dr. iS. Grzymisch. Es ist für unser deutsches Vaterland von der größten Wichtigkeit, daß in diesem Weltkrieg bei allen seinen Bürgern der Wille zu seiner Verteidigung so stark als möglich erhalten bleibt, denn aus der seelischen Stärke des Einzelnen setzt sich die Kraft des Ganzen zusammen) und je ungeteilter der Einzelne sich dem Kriegszwecke widmet, desto wuchtiger wird die Schlagkraft des Ganzen sein. Darum sollte von uns ferngehalten werden, was uns unnötigerweise ablenken und schwächen könnte, andere Sorgen und Kämpfe als die des Krieges sollten nicht in uns Raum gewinnen, soweit sich das verhindern läßt. Das verlangt heute gebieterisch das Staatswohl. Aus diesem Grunde ruhte im politischen Leben der Streit der Parteien, es herrschte ein Burgfrieden. Allein die deutschen Juden empfinden von diesem Burgfrieden nicht viel. Wachdem zu Anfang des Krieges eine Zeitlang Ruhe gewaltet hatte, erhoben die antisemitischen Blätter von neuem ihre judenfeindlichen Kriegsrufe, beschuldigte ^nan die Juden des Kriegswuchers und der Feigheit, suchte man die jüdischen Kaufleute aus den Kriegsgesellschasten yerauszudrängen und veranlagte eine Iudenzählung im deutschen Heere zur Feststellung der Zahl derjenigen, welche nicht dem Feinde unmittelbar gegenüberstehen. Daß ein derartiges Verfahren, abgesehen von seiner Ungerechtigkeit, in allen jüdischen Kreisen Deutschlands tiefe Erregung wecken, Sorge und Schmerz ausbreiten mußte, wird der Einsichtige zugeben und der Gerechte verstehen. Aber wenn er sich leicht darüber hinwegsetzen sollte, weil ihm die Juden gleichgiltig sind, so darf er doch als Vaterlandsfreund nicht -zugeben, daß inmitten unseres bitterschweren Existenzkampfes durch solche Angriffe unnütz viel Kraft abgelenkt und vergeudet wird, die unserem deutschen Volkse zugute kommen könnte. And als ob es damit noch nicht genug sei, werden die deutschen Juden auch noch durch die Tätigkeit der Juden Mission gepeinigt. Davon und von ihrer Abwehrarbeit auf diesem Gebiete soll im Folgenden die Bede sein.^) % Die Iudenmission hat sich.die Aufgabe gestellt, die Juden ins Christentum hinüberzubringen. Ihre Sendboten, die Missionare, welche geborene Christen oder ehemalige Juden sind, geben sich viele Mühe, dieses Ziel durch Vorträge oder Verteilung von Schriften, durch brieflichen oder persönlichen Ver- *) Anmerkung. Dieser Aufsatz, der uns Ende 1916 zum Druck übergeben wurde, berücksichtigt der Lage bis dahin. Die Vorkommnisse des Jahres 1917 sollen spater noch verwertet werden.