Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1917)
- Article
- Das Judentum und der innere Frieden
- Date
- 1917-10-01
- Page
- 401 (sequence 3)
- Language
- German
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401 Das Judentum und der innere Frieden^ ferische Gedanken brauchen wir, hinter denen opfernder Wille steckt. Gebt sie uns! Wir dürsten nach Frieden, aber nach .arbeitendem) pflügendem, säendem Frieden." Wicht um die Aufhebung der Gegensätze also handelt es sich — denn diese Gegensätze sind notwendig, und es wäre ein törichtes und gefährliches Spiest darüber hinwegtäuschen zu wollen — sondern uni die Arst wie diese Gegensätze ausgetragen werden. „Die ehrliche, klare und tapfere Auseinandersetzung, der erhebende Kamps der Geister darf und soll sein Recht behalten. Aber eben auf dem Wege einer sachlichen, nüchternen, sich von jeder Neberschwänglichkeit der Illusion frei haltenden Erörterung soll den Gegensätzen das zersetzende Gift genommen werden, das sie erst in Unfrieden und persönliche Bitterkeit wandelt." (Thimme Seite VI.) Für uns Juden sind diese Bestrebungen von doppelter Bedeutung. Zunächst 'für unsere Stellung im Staate. Der Gedanke des gegenseitigen Vertrauens, der Gedanke des gemeinsamen Zusammenarbeitens, der Gedanke ferner, daß dem Tüchtigen freie Bahn gegeben werden soll, muß Geltung haben auch für uns deutsche Juden. Vortrefflich in dieser Hinsicht ist eine Bemerkung Friedrich Naumanns in seinem „Mitteleuropa": „Nach dem Kriege muß Schluß gemacht werden mit den gegenseitigen Verhetzungen, denn im Hintergründe liegt der gemeinsame Schützengraben, und der ist politisch ebenso viel wert wie die Taufe." Damit ist der Gesichtspunkt gezeigt, von dem die Frage der Stellung der Juden in Deutschland nach Friedensschluß zu behandeln sein wird. Amd nicht erst nach Friedensschluß. Was hat man früher z. B. über das Problem des jüdischen " Offiziers gestritten; ein Werner Sombart hat sogar — in frivoler Amdeutung unserer Verfassung — die Ausschließung der Juden vom Offizier-Korps als gesetzmäßig hinzustellen gewagt. (,,Die Zukunft der Juden" S. 80 ff.) And! nun hat der Krieg den so lange für ein ganz unmögliches und undenkbares Lebewesen! erklärten jüdischen Offizier leibhaftig vor uns erstehen lassen, Auch hier gilt das Wort Hölderlins: ),Mit ihrem heil'gen Wetterschlage Mit Anerbittlichkeit vollbringt Die Not an einem großen Tage, Was kaum Jahrhunderten gelingt." Die Gerechtigkeit nicht nur, sondern auch das praktische Bedürfnis wird dahin führen, manche Schranke, die bisher der nützlichem Betätigung der Juden im deutschen Staatsleben hindernd im Wege stand, zu beseitigen. Aber man tut gut, nicht übertriebene Erwartungen an die späteren Zeiteü zu knüpfen. Wir deutschen Juden lassen uns bei