Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1917)
- Article
- Das Judentum und der innere Frieden
- Date
- 1917-10-01
- Page
- 400 (sequence 2)
- Language
- German
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400 Im Deutschen Neich. gehörige einer Partei ergreife die Hand des Andersgesinnten» wenn es darauf ankommL, großes für unser Vaterland zu leisten, und eine Konfession trage die andere mit Liebe." Diese Worte, die unser Kaiser am 24. August 1910 auf der Marienburg gesprochen hat, macht Friedrich T h i m m e zum Ausgangspunkt seines sehr beachtlichen Werkes „Vom inneren Frieden des deutschen Volkes" (S. Hirz e s, Leipzig, 1916). In welchem Mißverhältnis stand die innere Politik Deutschlands vor dem Kriege zu dem Geist, der diese Worte beseelt! „Wer kann es leugnen, daß vor dem Kriege von einem Geiste gegenseitigen Verstehens und Vertrauens nur wenig, sehr wenig zu spüren war. Die Weltanschauungen, die Konfessionen, die kirchlichen und politischen Parteien, die Klassen- und Berussstände, die Stämme und die Nationalitäten, sie blickten aufeinander ohne Vertrauen, vielmehr mit entschiedenem oft beleidigendem Mißtrauen, ohne Achtung und Neigung, vielmehr mit schlecht verhehlter Geringschätzung und Abneigung. Den Gegner als eine sittliche Persönlichkeit zu werten, der eine vielleicht irrige, unter allen Umstanden aber ehrenwerte Neberzeugung vertrete, die anderen Richtungen und ihre Anhänger als die Träger wertvoller, für das Ganze auch unentbehrlicher Kräfte zu begreifen und zu würdigen, dazu vermochten sich die wenigsten auszuschwingen. Vergessen schreln die neutestamentliche Weisheit: „in meines Vaters Hause sind viele Wohnungen". (Thimme Seite 585.) Thimme läßt in seinem Werke Angehörige aller Parteien» Berufsstände und ReligiOnsgemeinschaften zum Worte kommen. Gemeinsam ist ihnen der Gedanke, daß etwas anders werden muß, daß uns aus dem neuen, aus dem „Schützengrabengeist" ein dauernder Gewinn für die Zeit nach dem Krieg erstehen soll. In diesem Sinne wendet sich D. Traub gegen die, bii schon jetzt ihre Kästen mit Zeitungsausschnitten füllen, arH daß sie nach Beendigung des Burgfriedens mit dem lange wusgesparten Vorrat von Haß und Groll das deutsche Volks* leben vergiften können. „Kommt wieder das alte Gezänk der Gruppen, Parteien, Glaubensgemeinschaften? Wir sind die Schlagworte satt. Sie ersetzen kein Leben und verführen die Oberflächlichen. Einen anderen Ton wollen wir hören. Wir sind keine Schwächlinge geworden, die starken Laut nicht vertragen können. Kanonen hörten wir brüllen, drum fürchten wir uns nicht vor scharfgeschliffenem Wort?') Aber lebendige Worte wünschen wir, keine abgestandenen Redensarten. Schöp- *) Im Anschluß an diese trefflichen Worte Tranbs sei ausdrücklich betonst daß vorstehende Arbeit — deren 'Abfassung längere Zeit zurückliegt — für Ehrlichkeit und Sachlichkeit im Parteikampf ein tritt,- nicht aber mit der verschwommenen jüdischen ' „Neutralitätspolitik^ sympathisierst die inzwischen von mancher Seite befürwortet ist.