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Im deutschen Reich · 1917-10-01 · Heft 10 (Oktober 1917) · p. 391

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 10 (Oktober 1917)
Article
Der deutschnationale Handlungsgehilfen-Verband und seine Handlungsweise
Date
1917-10-01
Page
391 (sequence 3)
Language
German
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Deuisch-uatisnaler QcnibluHaJge^üfcnbcrbanD. Ich beehre mich mm, ' mich> Ihnen. als den Rrheoer des 'Schreibens vorzustellendas meine Firma am 10. März d. I.- mi Ihre Abteilung Stellenvermittlung gerichtet hat. Mein reges Interesse für alle Vorgänge im kaufmännischen Gehilfenstand, sowie «meine Ehre und mein Charakter als aufrechter Jude haben mir zu diesem Schreiben Veranlassung gegeben. Ich -glaube ein Recht zu Haben, auch jetzt noch alle Vorgänge in der Gehilfenbewegung mH Interesse verfolgen zu dürfen. Ich war nämlich selbst ,15 Jahre lang ein rühriges Mitglied des Vorstandes tzes Kaufmännischen Vereins in Mainz, ich chabe den kaufmännischen FortbildungsunLerrichL in Mainz begründet, organisiert und zu seiner jetzigen höhe gebracht, ich habe in jahrelanger Arbeit die Sonntagsruhe miterkämpfen helfen und sehr:- lange in vorderster Reihe gestanden, wo es .galt, die Interessen der Angestellten wahrzunehmen. Dies auch noch lange, nachdem ich schon mein eigenes Geschäft begründet und zahlreiche Angestellte hatte. Ich wurde im Hinblick aus meine Tätigkeit im Interesse; des Gehilfenstandes von dem Kaufmännischen Verein in Mainz .mit der seltenen Auszeichnung der Ehrenmitgliedschaft bedacht.- Ich habe meine intensive Tätigkeit und meine Fürsorge stets allen kaufmännischen Gehilfen ohne Unterschied des Glaubens und der Parteirichtung zuteil werden lassen. Indem ich dies vorausschicke, will ich Ihnen bestätigen, daß mir der Inhalt Ihrer gefl. Zuschrift vom 28. April d. I. wirklich überaus interessant war. Er hat mir gezeigt, daß die ungeheuerlichen Geschehnisse der Gegenwart auf die von Ihnen vor dem Krieg vertretenen Grundsätze bis fetzt ohne Einwirkung gebliebem und an Ihnen bis jetzt spurlos vorübergegangen sind. Es tut mir im Interesse unseres Vaterlandes aufrichtig leid, daß. Sie und die Ihnen nahestehenden Kreise den Geist der neuen Zeit nach! wie vor ignorieren und den Geist des alten Rückschritts, in dem diese Kreise seither ihr Heil gefunden haben, zu erhalten suchenunbekümmert um das Kaiserwort, unbekümmert um die Erlebnisse in den Schützengraben, unbekümmert um die Zukunft und das wahre Heil unseres Vaterlandes, an dem ich und meinesgleichen genau dasselbe Recht haben wie Sie. Aus diesem Recht heraus fühle ich mich verpflichtet, an der Wiedergeburt unserer Verhältnisse mitzuarbeiten, aus diesem Recht heraus nehme ich mir die Freiheit» Ihnen meine Meinung ganz offen zu sagen. Sie können sich doch denken, daß ich mit meinem ersten Schreiben wie auch mit dem heutigen weder die Absicht habe. Ihnen über die Grundsätze Ihrer Verbandsarbeiten Vorschriften zn machen, noch die Illusion hege, daß Sie meinen Erwägungen zugänglich seien: aber eine gute Aussprache fördert immerhin ein gegenseitiges Verstehen. Ich muß offen gestehen, daß ich die wirklichen Beweggründe Ihres Standpunktes, soweit er konfessioneller und parteipolitisches Ratur ist, nicht recht verstehe. Vor allem muß ich bemerken, daß Sie das Kampffeld vollständig verschieben, indem Sie in irreführender Weise zwischen Deutschen und Juden unterscheiden^ Wollen Sie denn wirklich diese tausendmal widerlegte Differenzierung immer noch iaufrechterhalten? Ich bin ein ebenso guter Deutscher wie Sie und alle Herren Ihre Verwaltung. Sie könnten höchstens sägen, ich sei kein „Germane", aber wer von Ihren Herren hat denn die Gewißheit, daß er einer ist? Vielleicht stammt er von den seit Jahrhunderten in Deutschland ansässigen! Wenden, Kasfnöen, Polen, Slawen oder Galliern ab, die ihr Blut mit den Germanen tausendfach vermischt haben, ja, wer von Ihnen kann sicher behaupten, daß er am Lude nicht gar

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