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Im deutschen Reich · 1917-09-01 · Heft 9 (September 1917) · p. 367

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 9 (September 1917)
Article
Zur "polnischen Juden-Frage"
Date
1917-09-01
Page
367 (sequence 4)
Language
German
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Zur polnischen. Iudenfrage. 357 an ihren Religionsschulen bereit und hat ihn cm manchen Schulen bereits eingeführt. Trotz des großen Einflusses der chassidischen Orthodoxie haben Nationalisten und Zionisten im Lande viele Anhänger; sie verfügen innerhalb des polnischen Judentums über die besten politischen Organisationen. Die Assimilanten sind politisch lahm; vielen von ihnen fehlt auch das Verständnis der jüdischen Masse; der Masse umgekehrt fehlt das Vertrauen zu den assimilierten Herren, die Führer erst dann sein könnten, wenn sie den Willen zu einer aufrechten und selbstbewußten Politik gewinnen. Gnt- Wicklungsmöglichkeiten in dieser Beziehung aber zeigen sich heute schon. Der Orthodoxie, die sich jetzt erst organisiert hat, fehlen heute noch die Persönlichkeiten, die den Kämpfen des modernen politischen Lebens gewachsen sind. Ohne moderne Schulbildung sind ihre Anhänger ausgewachsen; sie hat die Soldaten, aber keine Offiziere. Führer und Agitatoren, Offiziere und Unteroffiziere aber hat zweifellos der Nationalismus und Zionismus. Die Jugend der Orthodoxie, die aus der Enge orthodoxen Lebens herausdrangt, die mehr als die Väter die Notwendigkeit europäischer Bildung und europäischer Kultur erkennt, die durch, die Mittelschule hindurch ging oder sich selbst weitergebildet hat, geht vielfach in das Lager der Nationalisten und Zionisten. Dort lockt sie der moderne Geist und der zweifellos vorhandene? gute Wille, das jüdische Leben zu reformieren. Für Nationalisten und Zionisten ist das Wort „Assimilant" geradezu ein Schimpfwort; Nationalismus und Zionismus sind in Polen aber in hohem Maße eine AssimilaLionserscheinung; sie stellen sich dar als eine erste Stufe der Assimilation. Dazu kommt der große Einfluß russischer Juden auf das jüdisch-politische Leben in Polen. Die aus Nußland unter, dem Druck der russischen Iüdengesetzgebung in Polen eingewanderten Juden sind die geistig regsameren; sie — die das russische Volk in fast rührender Weise lieben — stehen verständnislos polnischen Empfindungen gegenüber; ihnen ist aber auch, da der Mensch ein Nationalgesühl haben muß, von der russischen Heimat vertrieben, die Konstruktion eines eigenen jüdischen Nationalgefühls besonders leicht. Ob das polnisch-jüdische Leben der Zukunft dem Nationalismus gehören oder sich bewußt und willig in die polnische Kultur eiufügen wird, ist eine Frage, die heute nicht entschieden werden kann. Treibt der künftige polnische Staat eine vernünftige Politik, die die Juden als gute Bürger gewinnen und durch eine geeignete Schul- und Wirtschaftspolitik zur Ablösung der vielfach wirtschaftlich ungesunden Zwischenhändler-

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