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Im deutschen Reich · 1917-09-01 · Heft 9 (September 1917) · p. 368

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 9 (September 1917)
Article
Zur "polnischen Juden-Frage"
Date
1917-09-01
Page
368 (sequence 5)
Language
German
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368 Im Deutschen Reich existenzen aus ihnen produktiv schaffende Kräfte erzeugen will — die Ansätze sind in dem starken jüdischen Handwerkerstand vorhanden — dann ist kein Raum für jüdischen Nationalismus in Polen vorhanden. Dazu sollte treten ein aufrechteres assimiliertes Judentum und eine durch die moderne Schule gekräftigte, durch ihre Organisation aktionsfähige Orthodoxie. Ein brutaler Antisemitismus aber, eine ängstliche Assimilation und eine ungebildete Orthodoxie überliefern das polnische Judentum restlos nationalistischen Ideen. Nun meint der Schreiber der Warschauer Briefe, die deutsche Verwaltung in Polen hätte die Pflicht gehabt, nationaljüdische Politik zu treiben. Die deutsche Verwaltung hat das einzig richtige und vernünftige getan; sie behandelt die Juden als gleichberechtigte Bürger des Landes und mischt sich nicht in die inneren Streitigkeiten des polnischen Judentums. Sie steht diesen Kämpfen vollständig objektiv gegenüber. Sie hat die Vereinsgründungen der verschiedensten Richtungen genehmigt; sie hat Zeitungen der verschiedensten Richtungen gestattet und liest Schulen der verschiedensten Arten zu. Die Idee aber, daß. die Verwaltung nun ganz einseitig die Politik der jüdischen Nationalisten hätte fördern müssen, kann nur von einem Mann ausgesprochen. werden, der die Verhältnisse des Verwaltungsgebietes in ihrer Gesamtheit nicht kennt. Zunächst hätte diese Politik maßlos verbitternd auf die Polen gewirkt. Wenn es die Aufgabe der deutschen Politik war, einen polnischen Nationalstaat vorzubereiten, wenn man wußte, .daß die Schaffung eines Nationalitätenstaats von vornherein am Widerstand der Polen scheitern würde, dann konnte von der Verwaltung keine jüdisch-nationale Politik getrieben werden. Den Juden hätte übrigens die deutsche Verwaltung einen fatalen Dienst erwiesen, wenn sie sie nach gewissen Rezepten gegen die Polen hätte ausspielen wollen. Das ist alte russische, aber keine deutsche Politik. Der russische Generalgouverneur mag gesagt haben: „Ich Hetze die Juden gegen die Polen und die Polen gegen die Juden! Divide et impera!“ Eine derartige Politik ist gemein, aber nicht einmal gescheit, wie im politischen Leben gar oft Zweifel bestehen, ob eine Taktik eine dumme Schlauheit oder eine schlaue Dummheit ist. Deutschland, das deutsche und keine jüdisch-nationalistischen Interessen zu vertreten hat, hätte sich aber auch die Juden in eine heillose Situation den Polen gegenüber gebracht, wenn es als der Beschützer der nationalistischen Bewegung aufgetreten wäre.

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