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Im deutschen Reich · 1917-09-01 · Heft 9 (September 1917) · p. 366

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 9 (September 1917)
Article
Zur "polnischen Juden-Frage"
Date
1917-09-01
Page
366 (sequence 3)
Language
German
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266 Im Deutschen Reich. doxien mit Recht oder mit Unrecht nicht genügt, sondern auch den zionistischen und nationalistischen Gedankengängen und Lehren feindlich gegenüber, der größte Teil der chassidischen Orthodoxie mit geradezu leidenschaftlichem Haß. Was heißt chassidische Orthodoxie? Der größte Teil des polnischen Judentums, soweit es orthodox ist, gehört der Sekte der Chassidim an. Der Chassidismus entwickelte sich aus einer VoVsbewegung des ^l8. Jahrhunderts, die gegen das verknöcherte rabbinische Judentum gerichtet war. Es hat nicht gehalten, was seine religiös und menschlich sympathischen Anfänge versprochen hatten. Heute unterscheidet sich der An- Hanger des Chassidismus von anderen Orthodoxen im wesentlichen nur noch dadurch, daß er mehr oder weniger treu an den Führer seiner Gruppe, den „Rebbe" glaubt. Er pilgert zu ihm an den Feiertagen; er hört auf seinen Rat in religiösen und weltlichen Dingen. Dem strengen „Chassid" ist der „Rebbe" der Mittler zwischen Gott und den Menschen. Die „Rebbes", deren Führerschaft sichern der Regel vom Vater auf den Sohn vererbt, die zum Teil alte, bis auf die Anfänge des Chassidismus zurückgehende Dynastien bilden, haben je nach ihrem Ruf eine größere oder kleinere Zahl von Gläubigen. Der angesehenste dieser chassidischen Führer int EeneralgouvernemenL Warschau ist der „Geister Rebbe", der Rabbiner von Gora-Kalwaria, der wohl mehr als 100 000 Anhänger hat. Der Chassidismus war früher durchaus bildungsfeindlich; er fürchtete, daß auch das kleinste Maß allgemeiner Bildung die Menschen der alten strengen Gefetzestreue entfremden könne. Die Knaben wurden in den „Chederschulen" erzogen, Religionsschulen, in denen nur aus Bibel und Talmud irr die jüdischdeutsche Sprache übersetzt wird. .Merkwürdigerweise erlaubt der Chassidismus dem Mädchen eine moderne Erziehung; aber er zwingt die Töchter mit der ganzen Autorität, die die Orthodoxie gerne den Eltern verleiht, später zur Ehe mit deu anders erzogenen Männern. Ehekonflikte sind bei dem starken durch die Erziehung geschaffenen KulLurgegenfatz unausbleiblich. Es ist in hohem Maße — von der Tätigkeit der deutschen Schulinspektoren abgesehen — dem Einfluß zweier in den „Warschauer Briefen" scharf angegriffener deutscher Rabbiner, der Herren Or. Kohn aus Ansbach und Or. -Karlebach aus Köln zu danken, daß der Chassidismus seine schroffe Bildungsfeindlichkeit allmählich! aufgibt. Dazu kommt, daß mit dem Einzug der Deutschen, mit der Beseitigung des alten zaristischen Rußlands überhaupt, in Polen ein starkes geistiges Leben begann. Auch die politische Organisierung der Orthodoxie macht sie bildungsfreundlicher. Sie ist heute schon zur Einführung von Elementarunterricht

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