Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 9 (September 1917)
- Article
- Unsere Soldaten und die Judenfrage
- Date
- 1917-09-01
- Page
- 358 (sequence 8)
- Language
- German
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35S* Im Deutschen Reich, ländlichen Lothringer haben, soweit ersichtlich, zu Juden und Judentum fast gar keine Beziehung. Die östlichste und westlichste Landschaft des Reiches weisen da verwandte Züge auf. Nur ist der Lothringer, vor allem der der französischen Zunge, ein weit mehr politisch organisiertes Wesen, das auch in der Iudenfrage, soweit sie für ihn existiert, politische Dinge sieht. Das hat sich seit der Dreyfusaffäre, in der Lothringen im wesentlichen gegen, das Elsaß für Dreyfus Partei nahm, vertieft. Aber der Gedanke der bürgerlichen Gleichberechtigung und der in Lothringen noch weit früher als im Elsaß vollzogenen Emanzipation der Juden ist so eingewurzelt, daß auch im Soldatenleben der Lothringer von Antisemitismus ganz frei erscheint. Die wesentlichste Feststellung, die aus den oben wiedergegebenen Beobachtungen erwächst, ist die, daß sich eine w irklich antisemitische G r u n d st i m m u n g nirgendsnachweisen läßt. Das habe ich auch bei den zahlreichen Kameraden, die den geschilderten vier Volksstämmen nicht angehört haben, nnd mit denen ich zusammenkam, im wesentlichsten bestätigt gesunden. N i ch L e i n m a l eine st a r k e Disposition, eine unbewußt vorhandene, uneingeschränkte Aufnahmefähigkeit für Iudenseindschaft nnd Judenhaß läßt sich durchweg behaupten. Zum Teil herrscht über das Vorhandensein der Frage eine etwa gleich, große Ankenntnis wie über ihre Bedeutung. lieber die Zurücksetzung der Juden im! Staatsleben sind nur sehr wenige unterrichtet, wobei bei den Soldaten allein die Offiziers frage, die sie ja selbst vor Augen haben, auszunehmen ist. Vielfach siel sogar im Gegenteil eine erhebliche Aeberschätzung jüdischen Einflusses und jüdischer Wohlhabenheit auf. Allerdings wurde das Arteil der Kameraden selbst häufig dadurch in die Irre gelenkt, daß ihnen als Kameraden von jüdischer Seite vielfach Angehörige einer anderen sozialen, beruflichen und intellektuellen Schicht entgLgentraten, die sie auf christlicher Seite überwiegend im Vorgesetztenverhältnis zu erblicken gewohnt waren. Man kann ja Untersuchungen wie diese „im luftleeren Raume" leider nicht anstellen. Aber wenn man sich, diese breite Masse unserer gemeinen Soldaten, entkleidet aller Einflüsse, die in sie hineingetragen werden können und die bei gegebenen Amständen sie auch in jüdischen Dingen zu einer von der ursprünglichen weit entfernten Stimmung bringen werden, denkt, so bleibt von tief verankerter JudenfeindschasL, von Dingen wie rassemaßiger Abneigung oder völkischer Verschiedenheit, durchaus nichts übrig. Nicht einmal dis Grundlagen zu einer politischen antisemitischen Bewegung sind dort vorhanden. Die Verschiedenheit des Religiösen braucht bei dem an sich! (nicht kirchlich-) religiösen und toleranten