Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 9 (September 1917)
- Article
- Unsere Soldaten und die Judenfrage
- Date
- 1917-09-01
- Page
- 357 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316864-2316872-2352697--27612-2352767- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Unsere Svldaken und die FudenfräW- 3:7 vinzialen Entgegenbringt) l)at mit Antisemitismus nichts zu tun. Aber die 'Kameradschaftlichkeit der Berliner) ihre praktische tzilfsbereitschast kann nicht laut genug gerühmt werden. Sie heben sich damit von den weit schwerer beweglichen Ostpreußen ab, von denen ich besonders auch den wohl breitesten (littauischrn) Schlag kennen Lernte) mit dessen literarischer Entdeckung zurzeit Sudermann beschäftigt ist. Politisches Interesse fehlt zumal dem Wann aus den ländlichen Kreisen ganz. Der Jude ist ihm weder der politische Gesinnungsgenosse, für den Hn der Berliner gern anspricht, noch der seit Generationen mit ihm heimisch gewordene, gleichberechtigte Mitbürger, als den ihn der Elsässer betrachtet, er hat zum Juden oder zu jüdischen Fragen meist gar keine Stellung. Kennt ihn -auch nur in den vereinzelten Exemplaren, die bei ihm auf dem Lande wohnen oder gelegentlich in der Gestalt wandernder polnischer Juden austauchen. Zur Erkenntnis, daß es eine schwerwiegende Fudenfrage, ein vielmaschiges antisemitisches Problem gibt, ist er meistens nicht gelangt. Für ihn gibt es die eng umgrenzte Erfahrung, die er mit dem ,,Iuden" seines Dorfes gemacht hat. Stellt sich darum ihn fast ausschließlich als Händler vor. Größere Wassensiedlungen von Juden sind nur den aus den wenigen größeren Städten Ostpreußens stammenden Leuten bekannt. Den allermeisten fehlt darum jede Beziehung zu jüdischen wie antisemitischen Dingen. And bei der durchweg gefundenen Gutmütigkeit und Biederkeit der Ostpreußen, die vielleicht bei den im ehemaligen Littauen wohnenden in etwas gemäßigterer Form vorhanden ist, fehlt auch die "Disposition zu gehässigen Aeußerungen oder Betätigungen gegenüber jüdischen Kameraden. Freilich wohl auch die Geneigtheit oder geistige Beweglichkeit zum Gegenteiligen. Aadikalisierte Ostpreußen, die ich zumal im Felde häufig gefunden habe, stehen in einem seltsamen Gegensatz zur großen Zahl ihrer unpolitischen Landsleute. Sie lehnen dann antisemitische Zugeständnisse irrt Sinne ihrer parteipolitischen Doktrin, die von anderen Voraussetzungen ausgeht) ab. Aehnlich schwer wie die Ostpreußen sind auch die Lothringer zu fassen. Ueber sie kann ich hier nur wenig berichten. Abgesehen von einigen größeren Städten, Metz und Saargemünd, wohnen auf dem Lande, auch darin Ostpreußen vergleichbar, Juden nur in geringem Umfange, oft auch ohne die sonst von ihnen in ländlichen Gegenden meist geübten wirtschaftlichen Funktionen zu erfüllen. Der Charakter des Lothringers ist im Gegensatz zu dem lauten, offenen des Elsässers nicht leicht zu erkennen. Eine gewisse Verschlossenheit brachte ihm schon zu den Zeiten, als Lothringen noch französisch war, in einem häßlichen Sprichwort wenig Anerkennung. Die