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Im deutschen Reich · 1917-09-01 · Heft 9 (September 1917) · p. 359

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 9 (September 1917)
Article
Unsere Soldaten und die Judenfrage
Date
1917-09-01
Page
359 (sequence 9)
Language
German
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Unsere Soldaken und die Indcnftage,- 359 Innenleben des deutschen Volkes durchaus keine Abneigung hervorzurufen. Dagegen werden aus wirtschaftlichen Erwägungen Gegensätze wohl entstehen können. Ueberall ist, wie die Einzelbetrachtung schon zeigte, bei den ländlichen Bewohnern eine größere Disposition zum Antisemitismus vorhanden als bei den Städtern und bei agrarisch orientierten Menschen mehr als bei industriell oder handelsmäßig gerichteten. Die Maschine hat eben etwas erschreckend Konfefsions- und Religionsloses. Aber diese wirtschaftlichen Gegensätze zwischen Juden und Christen würden sich „im luftleeren Raume", alles Religiösen beraubt, in die wirtschaftlichen Schichten und berufsmäßigen Kategorien eingliedern, denen sie auch sonst angehören: Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Käufer und Verkäufer, Ackerbautreibende und Industrielle, Stadt und Land, ein jeder würde sich zu seiner Schicht und Klasse finden. Als solche stellten sie trotz einiger spezifischen Züge dann keinerlei Bedrohung oder Gefahr für das Judentum dar. Die Erfahrungen und Kenntnisse, die unsere Truppen in den östlichen Gebieten mit polnischen, litauischen, russischen, galizischen und rumänischen Juden gemacht haben, sind ein, übrigens nicht unerfreuliches Kapitel für sich, das seines Geschichtsschreibers noch Harrt. Die Beziehungen, die zwischen unseren Kameraden und den osteuropäischen Juden geknüpft worden sind, haben sn den Fällen meiner Beobachtung (Weißrußland und Litauen) durchaus Peine Gehässigkeit oder gar Verachtung des außerdeutschen Juden gezeitigt. Der Soldat betrachtet mit einem Gran lächelnder Ueberlegenheit die seiner Uniformität gegenüber so ganz anders gearteten östlichen Juden, die ihm in ^unendlicher Beweglichkeit, geistig behende und meist Vorteile suchend gegenübertreten. Er sieht sie in Waffen Und bei Beschäftigungen, hie ihm von den heimischen Juden her unbekannt sind. Eine ungünstige Reflexwirkung gegenüber seinen jüdischen Kameraden geht von der Berührung Mit diesen jetzt in so besonders hartem Kampf ums Dasein stehenden Menschen keineswegs ftus. Aber hierzu läßt sich nicht alles in wenigen Worten sagen. Im Ganzen ist demnach zwischen jüdischen und christlichen Kameraden eine sehr starke Angleichung gegeben. Immer aber noch wird über das Rassenmäßige, Völkische, Religiöse, ' Politische und Wirtschaftliche hinaus s etwas Gefühlsmäßiges zu erklären; übrig bleiben: es ist das Moment der durch Jahrhunderte eng zusämwengefchloMnen, ins gleiche Schicksal geschmiedet gewesenen, durch Blutsbande immer wieder eng vereinigten Gemeinschaft. Aber ein hieraus wachsendes Unlustgefühl fst bei dem von Mir geschilderten Menschenmaterial zum Teil gar nicht vorhanden, zum Teil sind schon jetzt andere Empfindungeu stärker,

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