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Im deutschen Reich · 1917-09-01 · Heft 9 (September 1917) · p. 356

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 9 (September 1917)
Article
Unsere Soldaten und die Judenfrage
Date
1917-09-01
Page
356 (sequence 6)
Language
German
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356 Fm Deutschen Reichs andere Moment und macht darum auch den elfäffischen Kameraden vom Lande zu einem zwar etwas dazu disponierten, aber doch im ganzen vom Antisemitismus freien Soldaten- Die Berliner, die sch kennen gelernt habe, fielen, ob jung oder alt, immer wieder durch ihr '.starkes Interesse für politische Dinge und durch» eine die anderen Kameraden überholende politische und wirtschaftliche Anterrichtetheit auf. Ihr Urteil mitunter schief, aber recht entschieden, und sie selber gewohnt, von! früh auf resolut zu den verschiedensten Fragen Stellung zu nehmen. Sehr viele Sozialisten. Nicht allein unter den Arbeitern. Die meisten aber vollkommen national empfindend und das auch betonend. Vor allein die Jüngeren. Bei den älteren Berlinern vielfach etwas andere Denkweise : Politik in allen Dingen. Starker tzang zur Opposition, darin sich mit den Elsässern begegnend. Nur daß bei diesen der spottsame Widerspruchsgeist sich nicht parteipolitisch gibt. Vielleicht aus der den beiden Stämmen eigenen Freude an Opposition ihr oft beobachtetes besonders inniges kameradschaftliches Verhältnis, während beispielsweise zwischen Lothringern und Berlinern oder diesen nnd den Ostpreußen stärkere Gegensätzlichkeit besteht. Die Berliner meist zu staÄev. Betonung des Klassencharakters aller Schichten geneigt. Setzen'sich gern und laut auf die Bank der Gekränkten und ZurückgesetzLen. Mit besonderem Verständnis für die Füdenfrage, die sie vor allem als politische ansehen. Viele unter ihnen sind Freigeister, die starkes Interesse an vollkommener Beiseitelassung alles Neligiösen haben und entschieden Stellung gegen jede Zurücksetzung, die aus der Verschiedenheit der Glaubenszugehörigkeit herrührt, nehmen. Manche fühlen eine Parallele zwischen Judentum und Sozialismus heraus. Sie meinen und sprechen es gelegentlich aus: es müßten doch alle vom Schicksal irgendwie Benachteiligten, die politisch oder wirtschaftlich Enterbten, Zusammenhalten. Der politisierte Berliner fst mit seiner meistens linksgerichteten Orientierung gern bereit, für den jüdischen Kameraden einzutreten, auf politischer oder religiöser Grundlage sein Necht zu verfechten, dies aber 'nur als Ausfluß seiner gesamten politischen, oppositionellen Grundstimmung. Er erinnert dabei in seiner radikalen Denkungsart an die geradlinige logische bei Kousseau erlernte Gedankenreihe, aus der heraus; fern aller Iudensreundschaft, die französischen Nevolntionsmänner die Emanzipation gewährt haben. Die starke Assimilation der äußeren Erscheinung und Kulturformen, die alle Großstädte erzeugen, hindert auch das Emporkommen stärkerer Gefühle von Fremdartigkeit oder Anderssein gegenüber dem Berlinischen oder anderen großstädtischen Juden. Die Aeberlegenheit , die er dem vom Lande Kommenden und dem Pro-

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