Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 9 (September 1917)
- Article
- Unsere Soldaten und die Judenfrage
- Date
- 1917-09-01
- Page
- 354 (sequence 4)
- Language
- German
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354 Sftt Deutschen Neich< Leben, Juden und Christen gelegentlich durchs besondere Freundschaftsbande zueinandergehören, — auch in der Kameradschaft, jener schönen Blüte des Soldatenlebens, der gegendseitigen Hilfsbereitschaft aller, des Einander-Nützlichseins in den vielen Kleinigkeiten des Dienstes wie in Not und Gefahr, war, von seltenen Ausnahmen abgesehen, ein gewollter oder ungewollter Unterschied nicht Zu bemerken. Aber neben diesen bei allen Leuten gleichmäßig beobachteten Zügen wiesen doch die vier Stamme in der Erkenntnis und Beurteilung der Iudenfrage recht erhebliche Verschiedenheiten aus. t Das ist nach ihrer historischen Vergangenheit einleuchtend. Es fand einen beredten Ausdruck in dem Grad d e s E m p s i n « dens des Andersseins den jüdischen Kameraden gegenüber. Es wäre töricht, zu leugnen, daß so gute KameradschasL gehalten wird, von/ sehr vielen doch eine gewisse Fremdheit' Juden und jüdischen Dingen gegenüber empfunden!&>irt>!. Fremdheit ist dabei schon ein etwas zu starker Ausdruck. Es ist in gehobener Form das Gefühl, das sich beim Soldaten schon entwickelt, wenn sein Nebenmann dienstfrei hat, weil er Zu feinem, andersgläubigen Gottesdienst geht, oder weil er einen Feiertag hat, denderanderenichtmiLfeiernkaun. Die gleicher Empfindung wird auch wachgerusen, wenn zu irgendeinem Zweck „Katholiken rechts!", Protestanten bleiben stehen!", Juden links!" heraustreten müssen (für Dissidenten ist schlecht Platz). In Reih und Glied ist alles so sehr aus Wassenempfindung abgestellt, daß jeder, der aus dem Glied tritt oder gerufen wird, für einen Augenblick auch aus dem Empfinden der Masse ausgeschieden und damit ein anderer wird. Ein ähnliches Gefühl hat der gemeine Mann zunächst auch gegenüber Akademikern und andern Gebildeten, die vom Schicksal in den gleichen Nock mit ihm gesteckt sind. Der Gebildete, der sozial Gehobene, muß \ sich das Vertrauen seiner Kameraden erst besonders erwerben und dartun, daß ihm jede NeberheblichkeiL fehlt, r Der Umstand, daß die soziale Schichtung der Juden an sich! nicht mit der allgemeinen Berufsgliederung übereinstimmt und mehr Gebildete aufweist, wird beim Militär noch dadurch verstärkt, daß aus bekannten Gründen verhältnismäßig weit mehr Juden nichtchargierte Landsturmleute sind als die Angehörigen anderer Glaubensbekenntnisse. Aus diesen 'Gründen ist die geschilderte Empfindung dem jüdischen Kameraden gegenüber, bei dem sie ja auch auf der dauernden Verschiedenheit der Religionsausübung schon rein äußerlich beruht, oft noch stärker. Schwillt dazu mächtig an, wenn sie aus von Hause mitgebrachten Vorurteilen oder Abneigungen aufgepfropft wird. Diese Dissonanz der Stimmungen und Empsin-