Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 9 (September 1917)
- Article
- Unsere Soldaten und die Judenfrage
- Date
- 1917-09-01
- Page
- 353 (sequence 3)
- Language
- German
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Unsere Soldaken Und die FuVensrLgS- 353 süchungen darüber, ob das Volk int Innersten, in unbewachten Augenblicken, in unbeeinflußtem Zustand judenfreundlich, -feindlich oder ganz -jüdisch empfindet. Es ist in anderer Form auch die Frage, ob judenfeindliche Strömungen in die Masse von Führenden erst hineingetragen werden müssen, ob das deutsche Volk nach seelischer Veranlagung, durch [ schichtliche 'Entwicklung, wegen seiner sozialen Gliederung zum größeren oder kleineren Teile an sich antisemitisch gestimmt oder wenigstens nach dieser Richtung disponiert ist. Gewiß ist die Volksveranlagung-wandelbar. .Aber nicht in unbeschränktem Amsang. And schon der Gedanke an die Möglichkeit einer tiefen, unausrottbaren Fudeufeindschaft der Volksseele zeigt, wie dieser Zusammenhang die Schicksalsfrage -jdes deutschen Judentums, ob auf dem heimischen Boden überhaupt eine im Sinne der Gleichberechtigung vollkommene Lösung der Iudenfrage möglich ist, leise anklingen läßt. Der hier gemachte Versuch der Wiedergabe persönlicher Erfahrungen als Soldat möge darum Möglichst viele Kameraden zu ähnlicher Anternehmung bestimmen. Feder von uns kann nur Teilergebnisse bringen; aber Tonart und Melodie lösen sich aus den einzelnen Tönen schnell heraus. Ich liege seit 18 Monaten, zuerst als Insanterisi, jetzt bei der Feldartillerie, mit den Angehörigen der verschiedensten deutschen Stämme, in der Hauptsache mit Elsässern, Lothringern, Berlinern und Ostpreußen, zusammen. Ich habe es dabei vermieden, mich in bewußter, merkbarer Absicht mit christlichen Kameraden über jüdische Dinge oder antisemitische Fragen zu unterhalten oder zu versuchen, durch- Diskussion ihre Meinung festzustellen. Die Beobachtungen gründen sich allein auf das ganz ungekünstelte Sich-Geben der Kameraden, aus die aus innigster körperlicher und seelischer Berührung und ihren ungewollten Resleräußerungen entspringende Erfahrung. Für die so verschieden gearteten Volksstämme kann ich für meinen Teil einiges gleichermaßen seststellen. häßliche, verletzende Aeußerungen gegen jüdische Kameraden habe ich in der ganzen Zeit von den Kameraden nicht gehört. Ebensowenig gewollte Bösartigkeit pder wenn sich dazu Gelegenheit bot, besondere Schadenfreude. Das Wort Jude ist manches Mal gefallen. Aber, soweit der deutsche Kamerad in Betracht kam, in einem jedem Spott und jeder Kränkung fernen Sinne, als eine, zumal bei den Ostpreußen, dem dörflichen Händler gleichgesetzte Bezeichnung, bei der es nicht einmal ganz sicher war, daß der „Jude" tatsächlich Jude ist. Neben dem Fehlen bewußt gewollter .Verletzung jüdischer Kameraden ein zweites aus alle Stämme Zutreffendes: Nicht allein» daß, wie such im bürgerlichen