Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 9 (September 1917)
- Article
- Glaube und Heimat
- Date
- 1917-09-01
- Page
- 350 (sequence 13)
- Language
- German
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350 Iw Deutschen RerH.- müssen Las Judentum älso auch abseits von Jerusalem unH Zion wieder beleben. Kämpfen wir gegen Antisemiten und Täuflinge. Unterschätzen wir nicht den Wert der Abwehrkämpfe. Die Behauptung des Rechts ist eine Pflicht unserer! moralischen SelbsterhalLung gegen die GlaubensgemeinsHaft. Wir müssen für die Gleichberechtigung der Judenheit eintreten um der Gleich!b ewerLung des Judentums wegen, um den Abfall der Schwachen zu verhüten. Abwehr verlangt Wissen, und Wissen bringt SelbstbewußLsein und Stolz und Treue, die üb!er das Ende des Kampfes hinausreicht« Kämpfen wir gegen das Renegatentum und arbeiten wir ge^ meinsam an dem Hilfswerk für Entrechtete und Heimatlose. Ich lege auf das Zusammenarbeiten der Organisationen! das größte Gewicht. Unsere jüdischen Organisationen müsset den Juden geschlossen entgegentreten, die glauben, Iuden^ Politik auf eigene Faust treiben zu können, die sich in die be^ stehenden Organisationen nicht einfügen wollen und die, weil sie in der Bewegung nicht stehen, durch seichten individuellerL Rationalismus die Iudenfrage lösen zu können glauben, die in ihrer Naivität glauben, man brauche bIo§, die Speisegesetze aufzugeben, den Talmud abzuschwören, das jüdische Gemeinde-- Wahlrecht aufzugeben, die Sozialdemokratie zu stützen oder zü bekämpfen und dergleichen Naivitäten mehr, und dann sei die Iudenfrage endgültig gelöst. Ein m e t h o d i s ch e s, o rga niste r L e s Zusammenarbeiten ist jetzt mehr denn je notwendig. Die Regierung ist vorurteilsloser geworden; in den unteres Schichten des Heeres und der Bevölkerung^ hingegen regt sich nach der ursprünglichen Einigkeit wieder der Geist der Dexhetzung. Wieder sind große Kräfte am Spiele, die den heraufziehenden Ilnwillen des Volkes von sich auf die Juden ab lenken wollen. Das wird uns vielleicht dazu führen, zu der Regierung eine andere Stellung Zu nehmen. In der Ostjuden fragen in der eine bedauerliche Kräftezersplitterung stattfindet, ist ein gemeinsames Vorgehen dringend no£tD;erd>ig. Nun, da auch in Rußland das Morgenrot der Freiheit zu dämmern scheint, wird es unschwer sein, auch die Ostjudenfrage im Sinne der Menschlichkeit zu lösen oder wenigstens das Ostjudenelend zu lindern, ohne für die gesamte Iudenheit ein nationales Banner aufpflanzen zu müssen. Ich glaube kaum, daß ein Widerstreit darüber sich erheben wird, daß in allererster Reihe man darauf hinzuwirken haben wird, ihnen dort, wo sie lebem Heimat^ Menschenrecht und Menschenfreiheit zu schaffen. Wir werden auch darüber einig sein, daß man in Ansehung der Freizügigkeit die Ostjudsn nicht unter ein Ausnahmerecht stellen darf, daß nur für sie, nicht für die christlichen fremden Nationalitäten gilt. Der Gedanke der Abwanderung und Umpflanzung auf fremden Boden kommt dann erst in zweiter