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Im deutschen Reich · 1917-09-01 · Heft 9 (September 1917) · p. 349

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 9 (September 1917)
Article
Glaube und Heimat
Date
1917-09-01
Page
349 (sequence 12)
Language
German
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Glaube und gctmctL 349 hanft leben geblieben und immer lebendiger geworden. Glaube^ die Zionisten, daß jetzt, wo die Nati^'ien sich immer mehr abschließen, und nur die Ideen Brücken - den Rationen schlagendaß wir die Idee des Judentums kräftigen, wenn wir sie nationalisieren? Ich glaube es nicht. Wir setzen das Judentum! gegenüber den anderen Religionen und« Bekenntnissen Herabwenn wir das in den körperlichen Rations- oder Staatsbegriff einzwängen, was ein universeller Religions- und Sittlichkeitsbegriff ist. Das scheint mir die Gefahr zu sein, die die Zionisten für das Judentum heraufbeschwören, daß, sie seinen messianischen Beruf schwächen, wenn sie den nationalen Gedanken in den Vordergrund stellen, wenn sie aus dem „Volke des Buchs" ein leibhaftiges Volk machen. Der Gedanke, in Palästina eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte oder einen nationalen jüdischen Staat zu schaffen, der den Heimatlosenj eine Heimat, den anderen ein Vorbild und Jungbrunnen sein wird, mag Werbekraft haben und die Juden stärker aufrütteln, aber das Mittel ist mehr berauschend als kräftigend. Ich glaube nicht, daß der Staat, den die Juden dort aufrichten werden, für die Westjuden ein Jungbrunnen, und daß die Juden Palästinas auch für sie Pioniere und Vorbilder sein werden. Bedenken wir die Gefahr, die wir für die Iüdenheit der Diaspora herLufbeschwören. Sollte dieser Staat — und nach ihm müssen alle Heimstätten- und Rationsbestrebungen tendieren — eintreten in den Haß und Streit der Völker? Soll er zu den Mittelmächten oder zur Entente halten? Soll er ein Staat mit garantierter Neutralität oder der Spielbalk der großen Mächte sein? Was wir in dieser Frage von englischen Stimmen hören, mahnt doch zu allergrößter Vorsicht. VII. And; Lwas nun? Zwei Weltauffassungen stehen sich gegenüber, die beide dasselbe Ziel verfolgen: das Judentum neu zu beleben. Sie streiten über Weg und Endziel. An sich ist ein Streit der Ideen kein Anglück; im Gegenteil, er ist ein Symptom des Lebens. Für uns ist nichts schlimmer als IndifferentisMus und Stagnation. Mir ist die falsche Bewegung lieber als die Ruhe der Leblosigkeit. Führen wir den Kampf im Lichte der Wahrheit, mit den Waffen des Geistes, beseitigen wir alles was Beschimpfung, Verhetzung und Denunziation ist, so wird unser Kampf nicht vergebens sein. Weg mit den Schlagworten: Assimilant urtd vaterlandslos, unjüdisch und undeutschjüdischer Chauvinist und deutscher Chauvinist usw'. Kämpfen wir gemeinsam gegen den gemeinsamen Feind, und stellen; wir ihm gegenüber zurück, was uns trennt. Daß, die Westjuden hier bleiben werden, daß für sie ein Aebersiedlungsprogramm nicht in Frage kommt, darüber sind wir wohl alle einig. Mit!

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