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Im deutschen Reich · 1917-09-01 · Heft 9 (September 1917) · p. 348

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 9 (September 1917)
Article
Glaube und Heimat
Date
1917-09-01
Page
348 (sequence 11)
Language
German
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343 Snt Deutschen fvetd^ kein Kriterium für unsere Bewertung sein kann, sieht man an dem Deutschenhaß. In seiner Wirkung aber erweist sich der Antisemitismus als die Kraft, die das Böse will und das Gute schafft,-als der Dünger, der dem Baume des Judentums neue Lebenssäfte gibt, Säfte, die reichen Ersatz für den Abfall der welken Blätter und des wurmstichigen Fallobstes bringt. Aber ich kann es nicht anerkennen, daß die Lebensauffassung des Zen- Lralvereins den Verfall und Zerfall des Judentums befördert, und daß der zionistische Gedanke das Judentum mehr erhält und belebt als unsere Auffassung. Nicht um des An Lisemi- Lismus, sondern um des Judentums wegen wollen wir reinliche Scheidung und Klärung. Was erhält denn das Judentum und was gefährdet es? Für mich liegt das Wesen des' Judentums mit seinen seelischen und kulturellen Werten nicht in 'seiner Nationalität; seine Ewigkeitswerte liegen in seiner Religion, Ethik, seinem Ideenkomplex: dem Monotheismus, der sich bei ähm in reinster, abstraktester Form zeigt, dem Messianismus, der üoch nicht erfüllt ist, sondern ein dauerndes Ideal bleibt, dem wir zustrebeu, dem Optimismus, der das Leben bejaht, der Gottesebenbildlichkeit des, Menschen, der eine reine Seele -empfangen hat und ohne eine MittlersHaft sich mit Gott versöhnt und göttlicher Gnade teilhaftig wird, der Mission zur Selbstheiligung, d. h. zur Nächstenliebe Und Gerechtigkeit und zur Verbreitung von Religion und Sittlichkeit unter den Menschen. Dieser Beruf ist zwar an ein Volk ergangen; über als Staat ist Juda untergegangen und als Volk in alle Winde zerstreut, so daß ein jüdisches Rationalbewußtsein bei der großen Masse der Westjüden ganz und gar und selbst bei denen erloschen war, die gute Juden sein wollten und zu sein glaubten. And nun wollen die Zionisten das Judentum und seinen Fdeenkompler wieder beleben dadurch, daß sie den teils verglommenen, teils verglimmenden Funken des Nationalbewußtseins wieder zu seiner nationalen Flamme entfachen, daß sie eine Nation zu schaffen sich bemüHen, die ein Land und ein!e Sprache 'hat. Wir glauben nicht, daß die Mission des Judentums in der Diaspora verkümmert, und daß wir die. Kulturwerte des Judentums schwachen, wenn wir seine Mission unabhängig machen von dem Gedeihen oder Verderben eines jüdischen Staates oder einer jüdischen Nation. Weshalb sollen wir noch einmal Nation und Staat schaffen? Nach meiner Auffassung degradieren wir das Judentum, wenn wir feinem geistigen Fdeenkreise einen Körper geben, der raum-zeitlich lebt und stirbt, der blüht und verwelkt. Völker und Staaten vergehen wie Streu vor dem Winde; selbst Nom ist untergegangen und! das heilige Römische Reich Deutscher Nation. In der Diaspora aber ist durch Jahrhunderte und Jahrtausende der jüdische Ge-

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