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Im deutschen Reich · 1917-09-01 · Heft 9 (September 1917) · p. 347

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 9 (September 1917)
Article
Glaube und Heimat
Date
1917-09-01
Page
347 (sequence 10)
Language
German
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Glaube und getmoL 347 gleichgültig, ob uns der Radauantisemitlsmus der Tasse oder der wissenschaftlich verbrahmte Antisemitismus des Katheders gegenübersteht, ob unser großer Philosoph Eduard von Hartmann meint: solange der Jude sein Aationalgesühl Mit einem jüdischen Stammesgefühl teile, gäbe es keine Vertrauensstellung, ob T r e i t schk e die Palme wahren Ruhmes nur einem Juden zuerkennen will, der ganz und ohne Borbehaltim deutschen Leben aufgch t, und ob P a u l s e n von den Juden verlangt, daß sie sich vollständig mit den europäischen Nationen assimilieren müßten. Denn unsere Radau- und Geschästsantisemiten erkennen den Willen, deutschnational zu sein, als ein nationales Kriterium nicht an, und unsere wissenschaftlichen Antisemiten vom Schlage der Treitschke und von Hartmann erkennen diesen Willen zwar an, verlangen laber eine Betätigung, die uns unmöglich ist, weil wir Treue um Treue brechen sollen. Ausgehen ohne Vorbehalt und vollständige Assimilierung ist doch nur der saubere Aus;» druck für die perfide Taufe, und wenn von tzartmann, weit davon entfernt, denjenigen zu tadeln, der sich zu diesem Schritte entschließt, d. h. „durch eine entschiedene Unwahrheit in dem Bekenntnis, weltliche Vorteils zu erwerben und damit das Odium des Glaubenswechsels auf sich zu nehmen, sogar die Stärke eines Patriotismus und Familiensinns bewundert, die ein persönlich-moralisches Martyrium auf sich Nimmt", 'so versündigt er sich an der Ethik unseres größten deutschen Geistesheroen, an dem Gedanken Goethes, daß ein jeder, der die Religion wechselt, mit einer,Art von Makel bespritzt wird, von dem es unmöglich scheint, ihn zu reinigen. An anderer Stelle habe ich auf Riessers Wort hingewiesen (I. D. R. 1912 S. 403), daß Deutschlands gelben und Weise uns nicht gelehrt haben, daß man durch Opfer von Treue und Glauben, Wahrheit und Ehre ein Deutscher wird. .VI. Wäre es richtig, daß der Zentralverein den Abfall And? den Zerfall des Judentums, der Zionismus aber den Antisemitismus befördert, so würde ich mich keinen Augenblick besinnen und mit fliegenden Fahnen in das Zionistenlager übergehen. Denn von den beiden Brandungen, die den Fels des Judentums umspülen, — dem Haß der Antisemiten und dem Abfall der Täuflinge —, halte ich das erstere für das kleinere Hebel. Würde der Antisemitismus nicht das deutsche Vaterland so schädigen und gefährden, wie er es — Gott sei es geklagt — tut, und wie es jetzt jedem aus der Welt offenkundig wird, so würde ich als Jude den lieben Gott bitten, daß er uns Juden den Antisemitismus erhalte bis zur völligen Gesundung des Judentums. Denn daß der Haß der Amwelt

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