Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 9 (September 1917)
- Article
- Glaube und Heimat
- Date
- 1917-09-01
- Page
- 345 (sequence 8)
- Language
- German
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Glaube und Heimat.- 345 ßusetzen und die Nationaljuden als Erbpächter jüdischen Stolzes auszugeben. Ans Zentralvereinlern gegenüber ist das Wort: Ussimilant ein Schlagwort ohne Inhalt. .Wer der Glaubensgemeinschaft in unserem Sinne die Treue bewahrt, ist Nicht deswegen Assimilant, weil er deutsch-national fühlt. Die Dinge liegen für die Ost- und Westjuden verschieden. Im Osten sind die Juden nicht bloß eine Glaubensgemeinschaft, sondern eine Nationalität mit besonderer Sprache, besonderer Kultur. Ihre Artverschiedenheit corjpore et animo gegenüber ihren Landsleuten ist so groß, daß es sich nicht bloß um soziale Schichtungen, sondern um eine nationale Differenzierung handelt. Wer dort die jüdische Nationalität aufgibt, sich germanisiert oder polonisiert, den mag man einen Assimilanten nennen; wer aber hier dem Judentum die Treue bewahrt, wird nicht Assimilant, wenn er an deutscher Kultur mitarbeitet. Wenn man uns, weil wir kein jüdisches NationalbÄwußtsein haben, unjüdisch nennt, jüdischen Stolz und jSelbstbewußtsein abspricht) so widerspricht das der Wahrheit und Gerechtigkeit. Wir haben das .Renegatentum aögelehnt, Taufe als Fahnenflucht und Treulosigkeit gebrandmarkt, noch ehe die zionistische Bewegung da war. Nicht bloß selbst Treue zu üben, sondern auch die Kinder -zur Treue anzuhalten, für die Gleichberechtigung der Iudenheit und des Judentums kämpfen und dabei das Vätererbe erwerben, um es zu besitzen, lieber durch Treue die innere Ehre zu bewahren, als nach den äußeren Ehren des Staates zu begehren, das sind Gedanken, die der Zentralverein in die weitesten Kreise der deutschen Iudenheit getragen hat. Je länger, je mehr hat er sich bemüht, über die negative Abwehrsähigkeit herausgewachsen) positiver, innerlicher, jüdischer zu werden. 5. Das Judentum Wied erbe leben wollen auch die Zionisten. Daß sie sich weitere Ziele gesteckt haben, die Iudenfrage für die gesamte Iudenheit lösen wollen, das brauchte uns nicht zu scheiden. Denn auch Wir wollen, indem wir jüdischen Geist auf dem Boden unserer Kultur wieder beleben, dem gesamten Judentums dienen und sie wollen doch auch das deutsche Judentum wiederbeleben. Was uns trennt, ist d e rWeg. Auf einem anderen Wege wollen sie das Judentum wiederbeleben als wir. Sie gingen aus von dem Schicksal der Ostjuden; dort, wo die Juden eine Nationalität find, dort ist eine ,)Iudennot ganz elementarer Art". Da lag der Gedanke nahe, ihnen ein neues Ideal, eine neue Heimat zu geben. Für die dortige Glaubensnot erschien ein Heil nur aus der Amsiedlung zu erwachsen. Fudenstaat, öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte, Nationaljudentum, gestiger Nationalismus — auch das zionistische Programm hat sich, wie begreiflich, im Laufe der Zeiten nuanciert und entwickelt — waren die Lösung zur Erlösung aus dem Exil,- der Nationsgedanke, das nationale Bannen