Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 9 (September 1917)
- Article
- Glaube und Heimat
- Date
- 1917-09-01
- Page
- 344 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316864-2316872-2352696--27597-2352754- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Im Deutschen Aeich, Lreitschke sagen, daß es ein Vorrecht der Christen sei, vaterländischer zu seinals die Juden, so würde er sich an dev Wahrheit versündigen; denn das Judentum gebietet seinen! Bekennern, den König ßu lieben und zu segnen, das Vaterland zu ehren und ihm in Treue anzuhängen. Daß es auf der Welt nichts Vnchristlicheres als den „christlichen Staat" gibt, haben Juden nicht, sondern überzeugte Christen gesagt7) .... (I. 3>.: P. 1912 S. 39 et.) 4. So wenig totem Deutschtum durch mein Judentum verkümmert wird, so wenig wird meivIudentum d. ly. meine Glaubensnnb SLammestreue dadurch beeinträchtigt, daß ich sie nicht zu einem Aationalbe«' w u ß t s e i n m a ch e. „Auchwir 'wollen innere Wiederbelebung, Renaissance des Judentums. nicht Assimilation, stolz in der Eigenart und unserer geschichtlichen Entwicklung treu bleiben^)." Wie ich über das Assimilantentum denke, habe ich seit mehr als einem Jahrzehnt wiederholt dargelegt. „Das Wort Assimilantentum ist ein Schlagwort geworden, das wir klären müssen. Wenn Assimilantentum heißt, die Eierschalen des Ghettos abwerfen, brechen , mit dem, was abgelebt und abgestorben ist, brechen mit Kaftan und Stirn- Locke, so wird niemand gegen ein solches Assimilantentum etwas einzuwenden haben. Wenn Assimilantentum über heißt, mit geheiligtem Brauch des Vaterhauses brechen, die Erscheinungen jüdischen Geistes und jüdischen Herzens, jüdischen Gemüts und jüdischen Familiensinns aufgeben, wenn es heißt, das eine preisgeben und das andere lassen, nicht weil es das Bessere, sondern weil es das Andere ist, so wird jeder dieses Assimilantentum bis in den Grund seiner Seele verabscheuen. Wir wollen auf deutschem Boden an deutscher Kultur Mitarbeiten und treu bleiben an dem, was wir aus jüdischem Hause, aus jahrhundertelanger, jahrtausendelanger jüdischer Geschichte als berechtigte Eigenart unseres Stammes mitbekommen habench." ..... Weshalb nennt man uns Zentralvereinler Assimilanten?; doch nur um die Lebensauffassung des Zen-ralvereins herab- 7) „Daß Man auf dein Boden der Evangelien stehen" und doch -,den christlichen Staat wollen könne", und daß man obendrein zugleich Jude sein könne, will uns Walther Rathenaus Streitschrift „Vom Glauben" (Seite 28, 41) lehren. Eine verblüffende Vielseitigkeit! Rathenan nennt den Satz vom christlichen Staat einen unangreifbaren. Daß rechtgläubige Christen über den Begriff des christlichen Staates ganz anders gedacht, daß Männer, wie der Abgeordnete voii Vincke, der Professor des Kirchenrechts Sohm, der Historiker v. Treitschke, Gildemeister u. a., ihn als Mythe, einen Begriff ohne Inhalt, als eine Idee, von der man sich kein Bild machen könne, bezeichnet haben,- darüber vergl. meine Vorträge in „I. D. R." 1903, Seite 198, 398. 8) „J.D.R." 1912, Seite 269. s) „J.D.R." 1913, Seite 218. .