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Im deutschen Reich · 1917-09-01 · Heft 9 (September 1917) · p. 343

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 9 (September 1917)
Article
Glaube und Heimat
Date
1917-09-01
Page
343 (sequence 6)
Language
German
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Glaube und Heimat'. 343 Jahrtausenden in mir lebt und wirkt. Ich habe es nicht nötige mich vor der lebendigen Wirklichkeit abzuschließen, um weiter Jude bleiben zu können, und ich brauche nicht mir selbst meiü Jude sein wegzudisputieren, uw Mensch unter Menschen sein zu können." (Vgl. AI Parasdiat Derachim, I, 132, Ehrenpreis, -„Der Jude" 1916 S. 361.) Für mich liegt die Synthese von Deutschtum nnb Judentum in folgendem: Ich bin Deutscher von Nation, Jude von Religion und SLammeswegen. Wie mir die Zugehörigkeit zu Preußen, die s ch l e s i s ch e Heimat, das K a u s m a n n s h a u s der Eltern, die akademisch-juristisch-advokatorische Tätigkeit eine gewisse Prägung aufgedrückt haben, so hat es ganz besonders auch das jüdische Elternhaus, die jüdische Umwelt getan, in der ich erzogen bin und \in der ich weiter lebe. Aber diese Art und; Stammesprägung differenziert mich nicht in nationaler Beziehung von den deutschen Christen, beeinträchtigt meine Zugehörigkeit zur Gattung: Volk nicht undentfremdet mich dem Deutschtum so wenig, so wenig die besondere Stammesprägung in nationaler Beziehung den friesischen Bauern vom rheinischen Industriearbeiter oder vom Berliner Proletarier trennt. Ich fühle mich als Anwalt sozial und geistig dem christlichen Anwalt näher als dem jüdischen Händler oder Handwerker. Hier in der Heimat werden wir uns nur mehr der trennenden als der gemeinsamen EigenLümlichkeiten bewußt. * Ich bin fest überzeugt, daß, wenn ich mit einer Reihe von Menschen an die fremde Wildnis verschlagen würde, ich! zuerst Annäherung an den Deutschen suchen würde, mag er Jude oder Christ sein, und daß ich nicht in allererster Reihe zu dem mich hingezogen fühlen würde, der nicht Deutscher, aber Jude ist. So wie ich, wenn die Erdteile gegeneinanderstehen, mich auf die Seite der Europäer stellen würde, gleichgültig ob sie Christen oder Inden sind, und mich keineswegs zu Afrikanern oder Asiaten hingezogen fühlen würde, bloß weil sie Juden sind. 3. Ist Deutschtum und Christentum nicht identisch!, kanü man Christ sein, ohne Deutscher zu sein und Deutscher sein, ohne Christ zu Hein, so wird m e i n D e u t s ch L u m a u ch n i ch, Ldnrch die ZugehörigkeitznmIudentum beeinLrachtigt. Wenn Treitschke sagt, daß das Judentum nicht so deutsch ist, wie das Christentum, das Christentum deutscher als das Judentum, so versündigt er sich in antisemitischer Verblendung nach meiner Auffassung an den Gesetzen der Logik. Was er sagt, sind Begriffe, die für meinen schlichten Menschenverstand unfaßbar sind. Sind etwa die Christen in Frankreich französischer, in England englischer, in der Türkei türkischer als die Juden, und wie sind sie in den völkergemischten Staaten, in der Schweiz und in Oesterreich? Ist dort das Christentum! schweizerischer und österreichischer als das Judentum:? Will

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