Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 9 (September 1917)
- Article
- Glaube und Heimat
- Date
- 1917-09-01
- Page
- 341 (sequence 4)
- Language
- German
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Slau.be und Heimat Wille den Fremd völkischen nicht zum Völkischen machen, so' wenig er den Neger zum Weißen, den Mongolen zum Kaukasier machen kann. Je 'länger aber der einzelne Volksgenosse iu! fremdem Volke lebt, um so mehr werden die objektiven FremdheitsmomenLe zurückgedrängt, und es tritt das subjektive Willensmoment in den Vordergrund. Hieraus ergibt sich für mich, daß die Frage, ob die Juden eine besondere Nation und nur Gäste im fremden Wirtsvolke sind oder ob sie unter ihren „Wirtsvölkern" ihre nationale Sonderart verloren und nuU Stammeseigenarten haben, nicht einheitlich, sondern raum-- zeitlich verschieden (Ost-, Westjuden usw.) und individuell zu beantworten ist. 3. Welches von den objektiven Momenten (Geburt, Boden, Sprache, Kultur usw.) das schwerwiegendste ist, brauche ich nicht zu entscheiden, weil mir und den anderen ZenLralvereinlern^ ja ich möchte sagen, der erdrückenden Mehrzahl der jüdischen Deutschen alle objektiven Begriffsmerkmale fehlen, die gemeinhin als Kriterien einer jüdischen Nation gelten könnten. Wir sprechen nicht hebräisch«), für uns ist Palästina nicht unser Geburtsland, die Wiege unserer Kindheit, nicht die Grabstätte unserer Eltern; ich kenne es nicht und es ist nicht einmal daH Land meiner Sehnsucht, nicht die Heimat, der ich nachstrebe, nicht ille angulus, qui mihi praeter omnes ridet. Ich spreche! deutsch, empfinde deutsch; deutsche Kultur und deutscher Geist, erfüllen mich mehr als hebräische Dichtung und jüdische Kultur.^ Bin ich in der Fremde, so sind- Deutschland, deutsche Natur, deutsche Volksgenossen) der Gegenstand meiner Sehnsucht; ich mag im Orient nicht leben und nicht sterben. Wie meine Eltern und Voreltern deutscher Staub geworden sind, so will auch ich es dereinst werden. Ich bin zwar ein Kind jüdischer Eltern, und unser Haus war ein jüdisches Haus; aber auch meine Eltern haben deutschenational empfunden, und der jüdische Einschlag, den ich bekommen habe, ist kein nationaler, sondern ein Einschlag anderer Art gewesen, auf den ich noch zurückkomme. IV. 1. Ich bin fest überzeugt, daß Tausende deutscher Zionisten gleich wie ich denken und fühlen. Für sie ist die NationsfragH nicht eine Frage des Seins, sondern des Willens. Sie wollen national-jüdisch, nicht national-deutsch sein, oder sie glauben, deutsch und jüdischnational sein zu können. Darin unterscheiden wir uns funditus: ich will nicht nationaljüdisch sein, und glaube, kein schlechterer Jude als sie zu sein. 6) Irr der'Unkenntnis der hebräischen-Sprache sehe ich riicht eine x,nationale Entehrung" (Klatzkin, „Der Jude" 1916, Seite 828), sondern ein Moment der Entnationalisierung,