Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Article
- [Ohne Titel] / J. L.
- Date
- 1917-07-01
- Page
- 304 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316864-2316871--27434-2352601- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
304 Im Deutschen Neich,- Lretung jüdischer Interessen widmen. Im Aus^ lande aber sind die jüdischen Elemente in der Presse Überhaupt nur sehr spärlich vertreten. In den russischen Blättern vollends, die von Deutschlands reaktionären Plänen fabeln, sind keine Juden tätig. In der englischen Hetzpresse dürften sie nur selten zu finden sein, die amerikanischen Blätter, die von Deutschland als von der Heimat des Antisemitismus sprechen, um insbesondere die dortigen Juden und Deutschen gegen ihr Ursprungsland aufzureizen, werden von Christen geleitet. Die antisemitischen Blätter aber mögen in einer Mußestunde, die ihnen ihre fanatische Trommelfeuer-Tätigkeit gegen die Inden gönnt, einmal sich Nechenschast darüber geben, ob nicht, ganz gegen ihren Willen und ohne daß sie sich dessen bewußt geworden sind, der deutschen Sache schadet, was nur den Juden zugedacht war, und ob nicht, was gewiß entfernt nicht in ihrer Absicht lag, vaterlanHsfeinölich wirkt, was nur judewfeindlich wirken sollte. Unbedachtsamkeit oder arglose Gedankenlosigkeit führt dabei zuweilen den Iudenhetzern Eideshelser zu, die sich ganz gewiß absichtlich in solche Gesellschaft nicht mischen wollten und wahrscheinlich schnell genug sich wieder zurückziehen. Vollends, wenn sie inne werden, wie sehr der Makel des Antisemitismus der deutschen Sache draußen schadet. Von vielen Beispielen, die uns neuerdings begegneten, hier nur eins. Da brachte der „Bayerische Kurier" in München vor einiger Zeit eine ziemlich scharfe, aber von reichlichem Material begleitete Kritik unserer Kriegswirtschaft unter dem Titel „Ueberfluß an Gründertum". Der Verfasser, Di. Schlitten« bauer, geht da mit den 172 verschiedenen kriegswirtschaftlichen Organisationen, Einkaufs-, Getreide-, Leder-, Obst- und fonstigen Gesellschaften recht streng ins Gericht. Es ist wahrlich nicht unseres Amtes und es kommt uns gar nicht in den Sinn, diese Gesellschaften in Schutz zu nehmen. Ueber ihren Wert und ihre Leistungen wird eine spätere Zeit nach gründlicher Prüfung unbefangen urteilen, vorläufig sind sie ziemlich „unpopulär", um nicht zu sagen mißliebig. Herr Dr. Schlittenbauer aber schreibt im Verlaufe seiner höchst abfälligen Kritik; „Die entscheidenden Maßnahmen werden von rrgen-ernenr Schlesinger: oder irgendeinem (Dggenhetmez über die Kopse der bundesstaatlichen Minister hinweg" getroffen. Nun denn, wir leben ja im Zeitalter der leidigen und genugsam gekennzeichneten „statistischen Erhebungen". Man lasse es doch auf die Nachprüfung darüber aukommen, ob die leitenden Stellen in jenen Nennern mit Juden besetzt sind und wer für die „entscheidenden Maßnahmen"