Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1917-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1917) · p. 303

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1917)
Article
[Ohne Titel] / J. L.
Date
1917-07-01
Page
303 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316864-2316871--27433-2352600
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Amschäm 303 Blättern eine Handhabe zu neuen Mißdeutungen, zu neuen Entstellungen gegeben, eine Gelegenheit wieder, ihre eigenen Sünden auf die Juden zu schieben. Sie sind nämlich jetzt dahinter gekommen, warum Deutschland in bet Welt unbeliebt ist. Einfach, weil jüdische Journalisten Deutschland in der Presse aller Länder für den Hort der Reaktion, für das Arsprungsland und die Heimat der Judenverfolgung ausgeben. So befremdlich das klingen mag, die antisemitische Hetzpresse ist da wirklich der Wahrheit sehr nahe gekommen. Es ist tatsächlich richtig, daß die Presse aller Länder auf das Schlagwort vom reaktionären Deutschland eingeschworen ist. Wilson gürtet seine Lenden und legt die Rüstung an, die -dem wortreichen Professor so seltsam steht, zieht mit feierlicher Gebärde sein Schwert, um das deutsche V tzlk, das er so liebt, zu „befreien" und um im Namen der Menschlichkeit die Despotie, die Religions- oder Rassen-Verfolgung zu bekämpfen. Die russische Volkserhebung, die nach Beseitigung des Zaren so schön beit Krieg hätte beenden können, den der despotische Herrscher, zum schwersten Schaden von Land und Volk, vom Zaune brach will den Krieg fortführen, weil die neue' Demokratie, von Deutschland, dem ,,Hort des Rückschritts", die Wiedereinsetzung der „absolutistischen Regierung" befürchtet. And überall im feindlichen wie im kriegsunbeteiligten Ausland wird von Deutschland viel als dem Reiche der Judenverfolgung, der Junkerherrschaft gesprochen. Auch was man da „Militarismus" nennt, solle nicht das Heer, sondern einen gewissen überheblichen Befehlsgeist in der ganzen Verwaltung bezeichnen. Wahr ists, daß all dies in der Auslandspresse täglich zu lesen ist. Es ist nur nicht wahr, daß damit jüdische Journalisten irgendwie zu tun haben. Mit dem Schlagwerk von der sogenannten jüdischen Kresse wird bei uns von jeher ein arger Mißbrauch getrieben. Man liebt es in Deutschland, die freisinnigen Zeitungen mit dieser Bezeichnung zu umfassen, obwohl einerseits die Juden in allen Parteien vertreten sind, und obwohl andererseits die freisinnigen Zeitungen nur zu sehr geringem Teile von Juden geleitet werden, die aber in ihren Blättern einzig ihre Gesinnung sowie die Interessen ihrer Partei, keineswegs aber das Judentum vertreten. Auch nicht wenn sie einmal im Sinne und Geiste ihrer politischen Aeberzeugung gegen antisemitische Ausschreitungen sich wenden.. Sie tun es oft sogar schüchterner^ zurückhaltender .als ihre christlichen Parteigenossen. Die „jüdische Presse" bilden — es kann nicht oft genug wiederholt werden — nur die Blatterdie sich ausdrücklich der- Per-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.