Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Article
- [Ohne Titel] / J. L.
- Date
- 1917-07-01
- Page
- 305 (sequence 5)
- Language
- German
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Umschau. 305 verantwortlich ist. Man wird da sehr viel mehr hohe Verwaltungsbeamte als „Schlesinger" finden und am Ende feststellen müssen, daß. die etwa vorhandenen „Oppenheimer" die sachverständigen Elemente waren, die Aebergriffe oder Fehlgriffe verhindert haben. In ihrem Werbeeifer locken die Antisemiten neuerdings in den. bäuerlichen Kreisen mit dem Lied von der Centralvereins-Suche nach ländlichem Lebensmittel-Wucher. Wer sich nicht frei von Schuld weiß, wird sich denn auch unter den antisemitischen Schild verkriechen. Aach wie vor ist es natürlich nur reine Abwehr-Munition, die der C.-V. bereit hält. Als tertius gaudens, als der schadenfroh zuschauende Dritte, der abwartet, ob dabei für ihn nicht etwas abfällt, sieht die Sozialdemokratie dem Streite zu. Der „Vorwärts" bemerkte kürzlich zu den Auseinandersetzungen über Kriegswucher: „Wir meinen, daß beide Teile mit ihrer Arbeit munter fortfahren sollensie arbeiten ja beide im letzten Grunde nicht für sich selbst, sondern für die Sozialdemokratie, die den Kriegswncher als eine Erscheinung der kapitalistischen Gesellschaft bekämpft und sich blutwenig darum kümmert, ob die wegen Kriegswuchers Bestraften Levi oder Schulze heißen. Listen und Gegenlisten werden den klaren Beweis dafür erbringen, daß die Geldmacherei —im Kriege wie im Frieden — mit Rassen- und Religionsfragen nicht das mindeste zu tun hat, daß sie vielmehr als eine wirtschaftliche Erscheinung betrachtet und als solche bekämpft werden muß." Wenn Hier der „Vorwärts" leise an das Heinesche Wort vom Rabbi und dem Pfarrer gemahnt, so will es uns „schier bedünken", daß mit dem Kriegswucher weder die Anhängerschaft des Rabbi noch die des Pfarrers etwas zu tun hat, die beide den Lebensmittel-Wucher gleich heftig verdammen, Nicht weil einer Christ, nicht weil er Jude, sondern trotzdem einer Christ oder Jude ist, macht er sich des zurzeit verabscheuungswürdigsten Verbrechens schuldig. Die Ausbeutung der Ernährungsnot kann gar nicht stark genug verdammt und gar nicht hart genug bestraft werden — gleichviel, welcher Konfession der Schuldige angehört, denn mehr noch als gegen die Gesetze des Staats vergeht er sich gegen die Gebote seines Glaubens. Hier hat man es nicht mit Christen zu tun, nicht mit Juden, sondern mit Verbrechern, von denen kein Volk frei, für die keine Glaubensgemeinschaft verantwortlich ist. Daß die Ehrlichen unter den Antisemiten — es gibt auch solche, und nicht wenig — daß die Betörten unter den Antisemiten bald selbst zu dieser Einsicht kommen werden ist uns nicht zweifelhaft. Hat nicht jüngst Spanien, ehemals das klassische Land der Judenverfolgung, als erster Staat bei der