Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Article
- Zukunftsarbeit!
- Date
- 1917-07-01
- Page
- 298 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316864-2316871-2352451--27426-2352595- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
298 Im Deutschen Reichs Seite des Vorgehens. Sie setzt sich in den Gedanken um, daß die Art des Kampfes verfehlt sei, daß mau ganz andere Bahnm gehen und radikal mit der bisherigen jüdischen Arbeit brechen müsse. Da nun der Anlaß zerr Verstimmung aus der Verletzung unseres Rechtes fließt, richtet sich der ganze Groll gegen die Methode unseres Kampfes um das Recht, ja schließlich gegen diesen ganzen Kampf an sich. Nicht allein der Wert der Waffe wird augezweifelt, sondern der des Kampfpreises selber! Unsere Anerkennung und tatsächliche Gleichstellung im Gesetze wie im Leben, unsere Eingliederung in die Kultur unseres Vaterlandes, die den Inhalt eines Kampfes von Jahrhunderten ausmachen, werden ihrer Bedeutung entkleidet, und ein anderes Lied erklingt mit Macht. Wozu mit Gewalt etwas erkämpfen wollen, was uns die Welt so hartnäckig vorenthalt, was sie uns höchstens durch Zwang, nie aber aus freudigem Gemeinschaftsgefühl heraus gewähren wird? Wozu uns eindrängen wollen, wo uran uns immer wieder zurückstößt? Wozu uns als deutsch ausgeben, wenn die Deutschen uns als fremd wnpfinden? Wozu uns gegen jeden törichten und gemeinen Gassenbuben verteidigen? Wozu Kraft der Seele und des Leibes au so unwürdige Aufgaben verschwenden? Warum nicht, wenn die Welt uns fremd wissen will und uns ausschließt, die logische und menschenwürdige Folgerung ziehen und dem Hasse der Welt unserer^ Stolz entgegensetzen, den Stolz darauf, etwas eigenes, etwas g a n z e s zu sein? So'einleuchtend nun die Fragestellung ist, die das. innerste und edelste.Menschheitsbewußtsein aufrührt, so klar die Antwort erscheint, daß ein großzügiger und innerlich freier Mensch sich mit einem kühnerr Entschlüsse von dieserrr ganzen Wüste kleinlichster Plackerei lösen müsse, so bedenklich ist der Weg, auf den das überwallende Empfinden drängt. Reife Menschen müssen nur solche Entschlüsse fassen, mit denen man etwas Tatsächliches erreichen kann, und bloße Demonstrationen, die Kraft oortänschen, wo Verfall und Schwäche sind, waren noch stets ein Unglück. Diese Folgen der Verbitterung gleichen allzusehr dem Entschlüsse des Kindes, das nicht mehr mitspielt und sich in die Schmollecke stellt. Die Fragen sind aber wirklich zu ernst, als daß sie auf Kinderart gelöst werden könnten. Die Versuche den alten Bau umzustürzen und zur Errichtung einer neuen jüdischen Zukunft andere Wege zu gehen, hätten nur bann einen Sinn, wenn man wirklich wüßte, wie man das Neue, das au die Stelle des Alten gesetzt werden roll, praktisch v e r w i r k l i ch e u kann. Verstimmung und Verzweiflung sind aber gewiß keine guten Grundmauern, und die nächste Folge eines Sieges dieser Stimmung, die fraglos agitatorisch geschickt genährt und ausgebeutet wird, wäre ein vollendetes Chaos. Das alte jüdische Ideal wäre vernichtet, und das neue lebte als