Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Article
- Zukunftsarbeit!
- Date
- 1917-07-01
- Page
- 297 (sequence 3)
- Language
- German
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Zukuustsarbeit, 297 jede ruhige Besonnenheit aufzugeben und sich 31t weittragenden Entschlüssen Hinreißen zu lassen, die für des Judentums' Zukünft sehr gefährlich werden können, ist völlig sinnlos und schießt weit über das Ziel hinaus-. Und doch ist in vielen jüdischen Kreisen in Stimmungen, Worten und leider auch Taten eine so maßlose Uebertreibung zu verspüren. Bliebe es nämlich der bloßen Gefühlsanwandlnugen, so brauchte man gewiß nicht besorgt zu sein. Aber pessimistische Stimmungen setzem sich in Handlungen um oder hindern mindestens an kräftiger Gegenswartsarbeit. Und die Verzagtheit, die als. Reaktion den hochgespannten Erwartungen des Kriegsbeginns gefolgt ist, bedroht die jüdische Gemeinschaft mit zwei großen Gefahren. Am schlimmsten wirkt die Verbitterung auf die große Muss; jener, die nur mit halbem Herzen bei der Sache sind, die erst noch wirklich als Juden gewonnen werden müssen. Und es sind nicht wenige, denen das Judentum noch lange nicht im Herzen und in der Ueberzeugung wurzelt, die sich erst langsam dem Bewußtsein ihrer Gemeinschaftszugehörigkeit 'und der damit verbundenen Pflichten nähern. In diesen halben Juden, den noch schwankenden und kaum gewonnenen, ist der Pessimismus wie der Frost der Maiennacht. Er tötet unbarmherzig alle zarten Keime, er jagt in schlimmeren Fällen die Menschen aus dem Judentum hinaus, und in milderen bewirkt er, daß sie sich von jeder Arbeit zurückziehen und alles gehen lassen, wie es will. Pessimismus und Energielosigkeit gehen brüderlich Hand in Hand. Wird er nicht eingedämmt, so wird der Schade im jüdischen Leben auch positiv, ganz unberechenbar. Der soziale, der wissenschaftliche, selbst der religiöse Aufschwung ist von der Arbeit dieser Mitläufer, die zu vollgiltigen Streitern erzogen werden sollen, stark abhängig. Man kann gewiß ihre heutige Stimmung verstehen. Wenn — so meinen sie — die Beweise von echter uneigennütziger Vaterlandsliebe und todesmutiger Aufopferungsfreudigkeit, die das Judentum im Kriege geliefert hat, nichts anderes als Judenzählungen Hervorrufen können, so lohnt es sich wirklich nicht mehr, mühevoll zu streiten. Es muß eben auch an dem mangelnden Werke der Sache liegen! Pessimismus kennt eben keine Ueberlegung. Daß mit der Resignation nichts gewonnen und alles gefährdet wird, kommt ihm nicht in den Sinn. Und gerade darum wächst die Gefahr, daß an der Peripherie jüdischen Schaffens Abfall und Ermattung schrankenlos regieren, ins Ungemessene. Nicht minder schlimm wütet aber die übertriebene und unüberlegte Verbitterung im engeren Kreise derer, denen das ^Judentum L e b e n s in halt bedeutet, denen das Ziel und feine Erreichung fest im Glauben begründet sind. Bei ihnen wirkt die Verzweiflung auf ihre Anschauungen über die taktische