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Im deutschen Reich · 1917-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1917) · p. 296

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1917)
Article
Zukunftsarbeit!
Date
1917-07-01
Page
296 (sequence 2)
Language
German
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296 Knt Deutschen Reich.- aller Regierungskreise glauben, daß sie nicht als Angriff gegen die Juden gedacht war, und warum sollen wir nicht der offen abgegebenen Erklärung uns freuen, daß das Verhalten der Juden keinen Anlaß zu dieser Maßregel gegeben habe. Aber daß man aus beit vielen vergänglichen Stimmungen der so leicht beeinflußte:: und verhetzten Massen nur jener Strömung, die sich gegen, die Juden wendete, Beachtung geschenkt hat, daß sie sogar die Ruhe und die Objektivität der Negierungen erschüttern konnte, das schmerzt tief! Und die'Große unserer Verstimmung ist ein Beweis für die Aufrichtigkeit und Innigkeit unserer vaterländischen Gesinnung. Wer mitten in den Wirren des Äages lebt, wer seelisch ihren Eindrücken unterliegt, wird nie den rechten Abstand gewinnen und den Wert der Zeitereignisse richtig einzuschätzen wissen. Und daß gerade im Judentum, das in so unendlich viele kleine, selbständige Einheiten versprengt lebte, die für sich selber sorgen mußten und jeden politischen Zusammenhang miteinander verloren hatten, der Mangel an geschichtlichem Sinn besonders verbreitet war, ist eine bedauerliche aber unbestreitbare Tatsache. Entwicklungen von Jahrhunderten lassen sich nun nicht mit einem Male unterbrechen, und trotz der Eingliederung in die große Politische Gemeinschaft, trotz der Freiheit und des damit errungenen weiteren, unbefangeneren Ausblicks wirkt der alte Fehler nach. Die Judenheit hat auch heute das rechte seelische Gleichgewicht noch nicht finden können und ist in ihren Hoffnungen .ebenso maßlos wie in ihren Befürchtungen. Jeder Schimmer einer Besserung in der jiidischen Lage wächst sich in jüdischer Phantasie zur Morgenröte einer neuen Zeit aus, in der die Judenfrage endgültig gelöst sein wird, und jeder Rückschlag wird zu einem Beweise, daß alles Hosfen und Arbeiten umsonst, nnb ba% ba$ Judentum dem Untergang verfallen sei. Die welische Einordnung in den ewigen Wechsel der Weltgeschichte mit ihren Enttäuschungen und ihren erhebenden Momenten hat sich noch nicht vollzogen; das Bewußtsein, daß die Abweichungen von der geraden. Bahn der Entwicklung die Aufwürtsbewegung der Kurve nicht hindern, ja sie kaum berühren, ist noch nicht vorhanden. Und klar treten die daraus erwachsenden Schäden wieder hervor, wenn man in unseren Tagen der Verstimmung und Verärgerung die fast schon der Verzweiflung Platz gemacht haben, m tie jüdische Seele, und ihre Gedanken schaut. Denn sie nimmt die Ereignisse der letzten Zeit ohne jede Frage viel zu schwer! Keineswegs soll einem leichtfertigen Optimismus das Wort geredet werden, der nicht sehen und hören will, der gewaltsam Auge und Ohr vor allem Garstigen verschließt. Feder verständige und ehrliche Jude weiß genau, daß der neu erwachte Judenhaß an sich, besonders in seinen Wirkungen auf die Staatsgewalt, höchst bedenklich ist. Darum aber

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