Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Article
- Die Organisation der jüdischen Jugend in Deutschland
- Date
- 1917-07-01
- Page
- 294 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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194 Im Deutschen 9?eid}< zu einer Auffassung ihres Glaubens zu vereinigen, wissen wir nicht. Unser Ziel muß es jedenfalls sein. Biel aber ist schon dann erreicht, wenn die Richtungen aufgehört haben, sich bekämpfende politische Parteien zu sein, und wenn sie da, wo ihnen gemeinsame Aufgaben gegeben find, gemeinsam arbeiten. — Neutralität heißt selbstverständlich nicht — auch das muß gegenüber ständigen Angriffen immer wieder betont werden —, daß man an den Problemen vorbeigeht. Im Gegenteil, alle soll man kennen lernen. Das eben ist der Vorteil der Neutralität, daß sie gestattet, alles zu zeigen und -alleA zu lernen. Die vielen Jugendvereine, die es ernst mit unserer Arbeit nehmen, beweisen, daß eine solche Neutralität sehr wohl durchführbar ist. Cora Berliner bemerkt in diesem Zusammenhang, es sei nicht ausgeschlossen, daß die Jugendbewegung in Zukunft eine positive Stellung zum Judentum einnehmen werde. Damit soll wohl gesagt werden, daß man dem religiösen Judentum bewußter gegenübertrete. Das halte ich für eine unbedingte Notwendigkeit. Erfreulicherweise haben die in der Kriegszeit statt-- gehabten Besprechungen die Uebereinstimmung der führenden Kreise unserer Bewegung dahin ergeben, daß Judentum für uns nicht eine Phrase, sondern bewußtes, inneresreligiöses Erleben ist. Ein besonderer Abschnitt wird der Stellung des jungen Inden zu seinem Baterland gewidmet. Zu begrüßen ist es, daß sich die Verfasserin bei dieser Erörterung von allen Uebertreibungen sowohl nach der einen wie nach der anderen Seite, frei hält. „Alles, was wir für die Allgemeinheit ein zu setzen haben, fließt aus zwei Quellen." Es gilt nur, im Endziel die Leiden Ströme zu vereinigen. Wir haben als Juden unsere besondere Kultnraufgabe, wir haben sie für uns zu erhalten, sie ' aber auch zu verwerten für unser Heimatland. Die Arbeitsmethode der Vereine wird bestimmt durch die Organisation. Neben der Belehrung bedingt der starke persönliche Zusammenhang der Mitglieder eine bedeutende ethische Beeinflussung. Wie jede Organisationsarbeit befähigt auch die unsrige die Mitglieder zum Leben und Schaffen mit und in der Allgemeinheit. Die ganze soziale Arbeit der Vereine erscheint nicht mehr — wie in den ältesten Jugendverciuen — von einer Klasse für die andere geleistet, sondern sie bilder den Ausdruck einer starken Kameradschaftlichkeit, die sich in der Fürsorge der Aelteren für die Jüngeren, der Stärkeren für die Schwächeren kundtut. Eine Uebersicht über die außerhalb des Verbandes stehenden Jugendvereine beschließt die Schrift. Sie liefert den schlagenden Beweis dessen, was wir bereits im Anfang bemerkten, daß unter allen Jugendorganisationen die fruchtbarste mib ausgiebigste