Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Article
- Die Organisation der jüdischen Jugend in Deutschland
- Date
- 1917-07-01
- Page
- 291 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Organisation der jüdischen Jugend in Deutschland. 291 haben also keine akademische Erörterung vor uns, sondern eine von vollkommener Sachkenntnis getragene, praktisch verwertbare Schrift. — Nach dem Vorhergesagten darf es aber auch nicht wundernehmen, daß die Verfasserin vornehmlich die Verhältnisse in dem Verbände, für den sie tätig gewesen ist, berücksichtigt. Aber auch aus einem weiteren Grunde ist das selbstverständlich: Der Verband steht, mit 128 Vereinen und 20 000 Mitgliedern — mittlerweile dürfte diese Zahl noch um ein erhebliches gewachsen sein —: mit weitem Vorsprung an der Spitze sämtlicher jüdischer Jugendorganisationen. Wie wir nachher noch zeigen werden, ist auch seine Tendenz die umfassendste. In der Einleitung gibt Cora Berliner eine allgemeine Darstellung des Charakters aller Organisationen der Jugendpflege und Jugendbewegung, die sie als reine soziale Erziehung s g e m e i n s ch a f t e n der schulentlassenen Jugend bezeichnet. Sie scheidet dann das Stoffgebiet in zwei Betrachtnngsreihen: Vereine mit sozial-wirtschaftlicher und 'solche mit sozial-pädagogischer Tendenz; sie bemerkt dabei aber, daß nicht immer diese Trennung beibehalten werden könne, daß vielmehr vielfach ein Verein beide Merkmale in sich vereinigt. Die Vereine mit sozial-politischer Tendenz sind geschaffen worden aus der Erkenntnis, „daß die körperliche, geistige und sittliche Entwicklung der Jugend, von der die gesamte Zukunft des Volkes abhängt, gefährdet ist". Die auf dieser Grundlage geschaffenen Vereine suchen durch ihre sozialen Einrichtungen ihre Mitglieder vor der Gefahr der Großstadt zu bewahren. Dazu tritt als besonders wichtiges soziales Moment das Berufsinteresse, das zur Gründung der Standesorganifation geführt habe, die aber durchweg schon über die sozialen Aufgaben hinaus pädagogische — meistens religiös-ethische Zwecke verfolge. — Die Bedeutung des Wortes „sozial-pädagogisch" ist in der Jugendpflege eine doppelte: es bezieht sich sowohl auf die Erziehungsmethode wie aus das Erziehungsziel. Infolgedessen sagt die Verfasserin, daß schließlich alle Vereine eines^sozial-pädagogischew Charakters nicht entbehren, da sie ihr Erziehungsziel nur durch die Gemeinschaft und die Hilfsmittel, die ihnen die Organisation bietet, erreichen könnten. Es ist aber wohl dabei zu beachten, daß tatsächlich ein Erziehungsziel vorhanden sein muß^ Vereine mit reiner sozial-politischen Tendenz dürften kaum ein Erziehungsziel haben. Erziehung ist in der Jugendorganisation 'entweder allgemeine Erziehung zur Persönlichkeit oder zu einem 'ganz bestimmten Gedanken, mag er nun Glaube, Vaterlandsliebe, Berufsehre, politische oder religiöse Weltanschauung genannt werden. . An dem Beispiel des Verbandes der jüdischen Jugendvererne Deutschlands — im folgenden der Einfachheit halber nur als Ber-