Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Article
- Die Organisation der jüdischen Jugend in Deutschland
- Date
- 1917-07-01
- Page
- 290 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316864-2316871-2352450--27416-2352587- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
290 Im Deutschen NeiH. der Jugend unterstützt. Wir wissen den Wert einer solchen Hilfe sehr zu schätzen; aber sie allein macht nicht die Unterstützung aus, die wir von den Aelteren verlangen. M i t a r b e i L ist erforderlich. Dazu gehört vor allem das Hinführen der Jugend zu den Stätten, an denen sie zum Judentum erzogen werden kann. Das kann natürlich nur dann geschehen, wenn den Aeltereu diese Stätten bekannt sind. Die Erfahrung aber lehrt, daß eine Reihe von Juden, selbst solche, die im jüdischen Leben sich einer bevorzugten Stellung erfreuen, nicht im geringsten über das unterrichtet sind, was von der Jugend geleistet wird. Und wenn man vielleicht einmal den Namen einer Jugendorganisation gehört, hat oder sogar ihr als zahlendes passives Mitglied angehört, so weiß man doch nichts von ihren Zielen. Immer und immer wieder kann man die betrübende Feststellung machen, daß man die Jugendorganisationen als in der Hauptsache der Pflege der Geselligkeit dienend ansieht. Tatsache ist allerdings auch, daß vielfach gerade infolge der mangelnden ideellen Unterstützung der Aelteren die Jugendvereine ihre pädagogischen Aufgaben vernachlässigen mußten und zu reinen Geselligkeitsklubs herabsanken. Das sind betrübende Zustände, die ich wahrlich nicht zu kraß geschildert habe. Doppelt betrüblich im Hinblick auf die gesamte Lage des Judentums. Was soll aus uns werden, wenn wir nicht alle Kräfte zusammenfassen? Wie denken sich die unsere Zukunft, die es versäumen, an der Erziehung der Jugend zum Judentum mitzuarbeiten? Diese Erziehungsarbeit zu leisten ist die Aufgabe unserer Jugendvereine. Bei einer solchen Lage der Dinge war das Erscheinen einer ^Schrift, die ^eignet war, Aufklärung über die Organisation der jüdischen Jugend zu verbreiten, ein dringendes Bedürfnis. Wir sind daher dem Verbände der jüdischen Jugendvereine Deutschlands zu großem Dank verpflichtet, daß er die Doktordissertation seiner mehrjährigen bewährten Geschäftsführerin als' Broschüre herausgegeben hat. An Doktorarbeiten tritt man im allgemeinen recht skeptisch heran. Durchweg beschränken sie sich auf ein sehr engbegrenztes Spezialgebiet, auf dessen Bearbeitung der Verfasser viel Fleiß verwandt hat, das aber die Allgemeinheit gar nicht interessiert. Fräulein Dr. Berliner hat aber eine Dissertation geschaffen, die völlig aus diesem Rahmen herausfällt. Sie ist leicht faßlich geschrieben und erörtert in jedermann verständlicher Weise ein Problem, das das Interesse aller beanspruchen muß'und hoffentlick nunmehr auch wirklich findet. Die Verfasserin ist, wie wir bereits bemerkten, mehrere Jahre Geschäftsführerin des Verbandes jüdischer Jugendvereine Deutschlands gewesen. Sie hat während dieser Tätigkeit Gelegenheit genug gehabt, das Material, das sie jetzt als Unterlage Wer Arbeit benutzt, in eigener Tätigkeit zu sammeln. Wir