Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1917)
- Article
- Zur Lage des jüdsichen Viehhandels
- Date
- 1917-06-01
- Page
- 263 (sequence 4)
- Language
- German
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Zur 'Jage $$£ jüdischen Vieh Handels. 263 Lurchlaufen habe. Der Krieg 'habe die Behörden vielfach unvorbereitet getroffen, und so sei es in der ersten Zeit vielen unlauteren Elementen geglückt, Lieferungen zu erhalten und sich übermäßig zu bereichern; die Auswüchse dieses wilden Handels habe man aber ungerechterweise dem soliden Viehhandel zur Last gelegt, und so sei eine übertriebene Animosität gegen den Viehhandel und die Kriegslieferanten im Volte entstanden. Diese Animosität habe die bedauerliche Folge gehabt, daß die Behörden zunächst bei der Neuorganisation die Viehhändler überhaupt nicht zur Mitarbeit herangezoaen hätten. Erst im Oktober 1915 habe das Reichsamt des Innern mit dem Verein der Viehhändler Fühlung genommen, und dieser habe dann auf Einsetzung von Höchstpreisen und Einschränkung des Betriebes der Konservenfabriken hingewirkt. Schließlich sei es dann bekanntlich zur allgemeinen Syndizierung des Viehhandels durch 'die Viehhandelsverbände gekommen, die, soweit es unter den obwaltenden Umständen möglich gewesen sei, die Interessen des legitimen Viehhandels zu wahren sich bemüht hätten. Jnbetresf der ZukunstsaussichLen des jüdischen Viehhandels führte der Redner aus: es gäbe in Deutschland ungefähr 40 000 selbständige Viehhändler, wovon ein großer Teil, ungefähr 25 000, jüdischen Glaubens sei, ob zwar genaue statistische Angaben darüber noch nicht vorhanden seien. Der jüdische Viehhandel sei bereits in West- und Süddeutschland vertreten, während er im Norden und Osten nur eine geringe Minderheit bilde; oer größte Krebse schaden des jüdischen Viehhandels liege in der mangelndes kaufmännischen Vorbildung seiner Mitglieder; denn nur der intelligente Viehhändler werde sich in Zukunft behaupten können, er halte es daher für wünschenswert, Biehhandelsschulen zu errichten. Es sei außerdem erstrebenswert, daß der jüdische Viehhändler als Nebenberuf Landwirtschaft und vor allem Weidewirtschaft betreibe, denn die Milchversorgung der Städte sei sehr rentabel, auch habe schon vor dem Kriege der Anteil der Viehhändler an der Fleische erzeugung ungefähr 33l/3°/o betragen. Derartige Bestrebungen könnten stets auf die Unterstützung des Bundes der Viehhändler rechnen. Außerdem sei am II. Mai d. I. in Berlin eine Genossenschaftsbank deutscher Viehhändler G. m. b. H. gegründet worden, für die bereits 3/4 Millionen gezeichnet seien, die aber unschwer 5—10 Millionen aufbringen werde. Der Zweck dieser Gründung sei, den Bieh- Handel in jeder Weise zu unterstützen, so ihm das Auslandsgeschäft zu retten, da das Reich nur Zentralen unterstütze, serner beim Ausbruch von Tierseuchen während des Marktes