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Im deutschen Reich · 1917-06-01 · Heft 6 (Juni 1917) · p. 259

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 6 (Juni 1917)
Article
Wilhelm von Humboldts Beziehungen zum Judentum
Date
1917-06-01
Page
259 (sequence 7)
Language
German
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Wilhelm Von HuinboldLs Beziehitt?igen 'zunt Judentum. 259 Mgner, nnb diese Briefe bieten ein unschätzbares Material zur Kenntnis der Lebens- und Weltanschauung nicht allein Alexanders, von Humboldt, sondern auch seines Bruders Wilhelm. Einem dieser Briese, datiert Berlin, 12. 12. 188, entnehmen wir die folgende, das Verhältnis des Jünglings Wilhelm von Humboldt zu Moses Mendelssohn bezeichnende Stelle: „Auf der Rückreise von Aachen war er (Wilhelm von Humboldt) fünf Tage in Düsseldorf bei Jacobi, der ihn ohngeachtet, daß er ein Berliner ist, so liebgewonnen, daß er ihn nicht fortlassen wollte. Mein Bruder hat darüber und über Jacobis Streit mit Mendelssohn einen interessanten Brief an Br. Markus Herz geschrieben,- der hier von Hand zu Hand geht. Ich wollte, ich könnte sitz Dir beide schicken." Die spinozistische Fehde, die der Philosoph Jacobi einst gegen Moses Mendelssohn heraufbeschwor, indem er in einer Flugschrift die Ansicht aussprach, daß Lessing ein Spinozist gewesen sei, wogegen der vertrauteste Freund des letzteren, Moses Mendelssohn,- mit einer Gegenschrift ankampfte, beschäftigte, wie wir sehen, auch den jungen Wilhelm von Humboldt. Daß dieser den Chorführer des philosophischen Rationalismus, gleichsam die verkörperte Aufklärung, trotz aller Vorliebe für Jacobi hochachtete und verehrte und in ihm nicht allein den weltweisen und kühnen Denker, sondern auch den Bibelübersetzer bewunderte, versteht sich bei seiner Stellung zur Aufklärungsperiode jener Zeit von selbst, ganz abgesehen von einzelnen Ausführungen und Bemerkungen in seinen Schriften, Reden und Briefen, deren nähere Ausführung an dieser Stelle uns jedoch zu weit führen würde. Schon das hier Mitgeteilte bürfte genügen, um zu beweisen, daß Wilhelm von Humboldt, diese Zierde der deutschen Wissen--- schaft und Literatur, dieser glühende Deutsche und Vaterlands^ freund, in Wort und Schrift zu jenen Philosemiten zählte, die es nie unterließen, den Juden und dem Judentum gegenüber Recht und Gerechtigkeit walten zu lassen und denen, wie in der Wissenschaft und in der Forschung so auch im Leben, die Wahr-? heit über alles ging. Wilhelm von Humboldt kann man mit Fug und Recht als einen Humanitätspropheten bezeichnen. Immer und immer wieder verkündete er die Lehre, daß die Würde der Menschheit gewahrt werden müsse-, und daß die Religion jedem einzelnen, ge-! fchweige denn einem ganzen Stamm, etwas Inneres und Heiliges sei, das niemand ungestraft verletzen dürfe. Daher war ihm eine Verfolgung. Verhöhnung oder Geringschätzung seiner jüdischen Glaubensgenossen ihrer Religion wegen in der tiefsten Seele zuwider. Die Religion erschien ihm als der Inbegriff der Duldung und der Nächstenliebe. Er wußte in allen Religionen, d i e Religion zu finden und zu achten. Seine Achtung vor dem Ewigmenschlichen in der unendlichen Mannigfaltigkeit

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