Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1917)
- Article
- Wilhelm von Humboldts Beziehungen zum Judentum
- Date
- 1917-06-01
- Page
- 258 (sequence 6)
- Language
- German
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258 Im' Deutschen Reich. Empfindung. Ich Meise nur einige Stellen hervor-? die er in verschiedenen Briefen an ihm Nahestehende gerichtet hat. So schreibt er z. B. einmal seiner Jugendfreundin Char-^ Xotte Diede: „Gott kann, und das liegt in der Sache selbst, sein Wohlgefallen mehr auf die richten, die dadurch, daß sie ihm arrhängen, eine größere Liebe, Innigkeit und Reinheit des Ges wütes beweisen, aber eine ungleiche Verteilung seiner leitenden, sorgenden, belohnenden und strafenden Fürsorge läßt sich nicht, weder mit den Begriffen von seiner Allmacht, noch mit denen von seiner GerechtigkeiL in Vereinigung bringen. Im Alten Testament kommt allerdings das Wort von Auserwäülten Gottes vor, allein es braucht auch dieser Begriff der Auserwählung nicht gerade jenen ausschließenden Sinn, sondern nur den zu haben, daß die Auserwählten diejenigen waren, welche sich durch ihre Kerzensreinheit und Frömmigkeit am meisten der Liebe Gottes würdig gemacht und sein Wohlgefallen auf sich gezogen hatten." Jn einem Briefe an dieselbe Freundin befaßt er sich noch eingehender mit dem Alten Testament bzw. mit den Erzählungen desselben sowie dem Gottesbegriff, der sich in der Bibel kundgibt, wobei er die Bemerkung macht: „Diese Erzählungen des ersten Teils der Schrift haben in jeder Rücksicht, welches auch ihr Ursprung sein möge, eine so ehrwürdige Heiligkeit, daß man dem Zweifel an der Wahrheit keinen Raum gibt, wohl aber unbedingt Dleiben kann, was Eigentümlichkeit der Vorstellungs- und Durfte,llungsweise bildlicher oder eigentlicher Ausdruck fei." Bekanntlich war Wilhelm von Humboldt auch ein feinsinniger Dichter. In einem Sonett hat er, man könnte sagen, in weihevoller Weise dem geschichtlichen Judentum gehuldigt. Er nennt dieses Poem „Die Jungfrau Israels": „Mit Stolz ich auf die Nachbarvölker blicke. Weil uns der Herr zu seinem aus erwählt, Und Judas Flammenschwert mit Kraft gestählt. Zu bändigen der Heiden freche Tücke. Die Blume reiner Frömmigkeit ich pflücke, Und uns kein Segen der Verheißung fehlt; Drum Davids heil'ger Harfenlaut vermählt Zum Dank empor ich meine Stimme schicke. Wenn auch zerstört sind Zions Tempelmauern, Und wir, zerstreut in allen Ländern, trauern. Doch edler Stolz in unserm Busen glüht. Denn bis zur Weltzerftörung Zorngerichte, Doch in der völkerwägenden Geschichte Rem, unvermischet unser Zwölfstamm glüht." In den Jahren 1788 bis 1790 korrespondierte Alexander von Humboldt sehr fleißig mit dem im Jahre 1837 in Züllichau m der Provinz Brandenburg verstorbenen Superintendenten We-s