Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1917)
- Article
- Wilhelm von Humboldts Beziehungen zum Judentum
- Date
- 1917-06-01
- Page
- 257 (sequence 5)
- Language
- German
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Wilhelm von Humboldts Beziehungen 'zum Judentum. 257 DebenS erblickte, bemerkte er auch die Liefen Schatten an dent "glänzenden Bild, das er so viele Jahre hindurch angestaunt hatte. Interessante Auslassungen über Juden und Judentum finden wir in dem schon erwähnten bedeutsamen Briefwechsel Zwischen Wilhelm von Humboldt und seiner Gattin Karoline, herausgegeben von Anna Sydow. Sie sind um so bezeichnender, als Karoline von Humboldt nicht jene Unbefangenheit, jene Gerech?- tigkeit den Juden gegenüber besaß, die ihren Gatten auszeichnete. Vom 3. Februar bis 21. März 1814 befand sich Wilhelm von Humboldt auf dem Kongreß von Chatillon in Frankreich. Von dort aus schreibt er seiner Karoline, oder wie er sie mit dem Kosenamen „Li" nennt, vom 2. März 1814: ,,Meine Hau.ptlektüre außer den Alten hier ist BonfsetT) Ich schöpfe aus ihm Bestärkung meiner alten und ältesten Ideen über die Juden. Auch habe ich von Chatillon aus etwas für die Juden, die ich immer beschütze, getan. Ich las ein Edikt in unseren Zeitungen, daß man zur Sektion eines Leichnams in gerichtlichen Fällen nie einen jüdischen, sondern immer einen christlichen Arzt haben sollte. Dieser Unterschied hat mich indigniert, ich habe also Kircheisen, dem Justizminister, geschrieben, doch durch ein neues Gesetz solche vorurteilsv-olle Einrichtung abzuschassen und hoffe, daß er mir folgen wird." Bonn Wiener Kongreß, an dem Wilhelm von Humboldt teilnahm, schrieb er seiner Karoline unter dem 13. Januar 1815 u. a.: „Es kann unmöglich vernünftig sein, den alten Unterschied z w i s ch e u Juden und C h r i st e n ewig bestehen z u l a s s e n und d a s V o r u r t e i l n o ch z u v c r nn e b r e n." Und am 4. Juni 1615 schrieb er an seine Gattin: „Seit dem Anfang des Kongresses suchten die Juden bestimmte persönliche Rechte in Deutschland zu erhalten. Ich bin dieser Sache immer geneigt gewesen, ich weiß zwar, daß Du anders ,denkst, süßes Herz, aber chh habe viel in verschiedener Zeit darüber nachgedacht und bleibe meiner alten Meinung getreu. Es ist überdies eine Jugendliebe bei mir, denn Alexander* *) u n b i ch wurden n o ch , w i e wir Kinder waren, für S ch u tz w e h r e n des I u d e n t u m s g e h a l t e n." Die Pietät, die Wilhelm von Humboldt für die „Söhne Israels, die der Welt den Glauben an einen Gott geschenkt", hegte, fühlte er auch für das Buch der Bücher. Seine Aussprüche über das Alte Testament, das er in der Ursprache studierte, und alle seine Aeußerungen über das Buch der Bücher, die Bibel, sind getragen von einer sehr wohltuenden Wärme der *) Jacques Bousset, geö. 1627, gcft 1704, dogmatisch-politischer Schriftsteller. ' ' ' *) Sein Araber Alexander v, HurnLvldjc,