Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1917)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1917-06-01
- Page
- 252 (sequence 2)
- Language
- German
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252 Im. Deutschen ReiH.- zuungunsten des Christentums ziehen müssen aus der Tatfache, daß alle Attentäter, alle Fürstemmörder Christen waren. Aeberdies ist jenes Spiel mit der Prozentrechnung in der Politik wieder einmal Ausfluß einer sehr natürlichen, sehr häufig übersehenen Fehlerquelle jeder Statistik in bezug auf Minoritäten oder gar auf kleine Gruppen. Wenn zufällig zwei Rothaarige etwas Aebles oder etwas Verdienstliches Lun, bann tmrb die Statistik schnell bei der Hand sein, zu „beweisen", daß die Rothaarigen in sehr hohem Prozentsatz zu jener Tugend oder jenem Laster neigen. So offenbar das auf der Hand liegt, so einleuchtend es ist, daß ein Glaube oder eine Glaubensgemeinschaft niemals für das private Verhalten jedes ihrer Angehörigen verantwortlich gemacht werden kann, gefallt sich die antisemitische Presse noch immer unermüdlich, aber doch ermüdend, in der Gegenüberstellung von Di*. Cohn mtb Amdenöurg. Wir haben unsere entschiedene Ablehnung des Di*. Cohnschen Standpunktes und Verhaltens klar und scharf genug betont, aber allgemach will es doch scheinen, als ob rein menschlich die unbeirrte, freie, verantwortungsbewußte, wenn auch von unserem Standpunkt zu mißbilligende Haltung des Reichstagsabgeordneten Di*. Cohn immerhin sympathischer sei als die stumpsinnige Echolalie, die noch immer ihr „Cohn-Hindenburg" nachplappert. Der Abgeordnete Di*. Cohn hätte sicherlich einem Fraktionskollegen den Parteiantrag und dessen Begründung überlassen können, und das wäre vielleicht klüger gewesen. Aber er hat es verschmäht, sich einem Aufträge seiner Gruppe zu entziehen, und lächelnd dient er nun den Pfeilen des plumpen antisemitischen Witzersatzes zur Zielscheibe, ein jüdischer Sankt Sebastian. Der aufmerksamen Beobachtung muß es übrigens immer starker auffallen, daß der alldeutschen, insbesondere der judenfeindlichen Presse, neuerdings reichliche materielle Stärkung zufließt. Ein Teil der in antisemitischen Kreisen durch Kriegsliefernng und Lebensmittelhandel so reichlich erworbenen Wittel wird eben dazu verwendet, die Schuld an der Lebensmittel- Teuerung und dem Lebensmittel-Wucher den Juden zuzuschieben. Die Jagd auf jüdische AugesHuldigte, obwohl mit einem Heer von Treibern bis in die entlegensten Winkel betrieben, ist aber höchst unergiebig. So muß denn das dieser Jagd mit besonderer Leidenschaft obliegende alldeutsche Blatt in seiner Nummer 21 vom 25. „Wonnemonat" als seine ganze „Strecke" fünf urchristliche Brothändler: Rzecina, Ceptuls, Schulz, Iorchau, Guriak vorführen, nur weil als Sechste im edlen Bunde die anscheinend jüdische