Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1917)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1917-06-01
- Page
- 251 (sequence 1)
- Language
- German
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UmsKrus 251 Aruschau Aus dem langw ährenden Konzert der KriegsdromeLen heben sich' neuerdings mehr und mehr die sanftweichen, schmelzenden Töne der Fried enss Halm ei heraus. Wie ein Seufzer der Erlösung geht es durch die Welt. Ein unbestimmtes Ahnen, das sich fast zu einer Art von gelinder Zuversicht steigert, kündet den Abschluß des Weltkrieges, ohne freilich für diese Verkündigung eine Gewähr bieten zu können. Es ist vielleicht nur der Wunsch, der sich gierig, um nicht zu sagen voreilig, in das Gewand der Hoffnung steckt oder in die Maske der Erwartung, der Zuversicht. Aber daß dieser Wunsch in allen kriegführenden Landern verspürt wird, in der ganzen kriegssatteN) und wenn nicht — man hört das Wort nicht gern und es kann mißverstanden werden — wenn nicht kriegsmüden so doch kriegsüberdrüssigen Welt, das kann immerhin als ein gutes Zeichen gelten. Ein Zeichen dafür, daß die auslugende, photographierende, bombenabwerfende Taube sich in die Taube mit dem Oelblatt verwandelt. Während die Lagunenstadt im Süden, noch darbend, in schlotternder Angst vor den österreichischen Fliegern, den Löwen von San Marco und den Kampanile mit schützenden Sandsäcken umpolstert, versammelt sich im nordischen Venedig am Mälar-See, im reichbelebten Stockholm, der erste Friedensrat, ein zwar nicht mit Vollmachten versehener Friedeus-VorksNgreß, auf den sich aber die gespannte Aufmerksamkeit aller Erdteile und manche stille Hoffnung richtet. Wer hatte es je geahnt, wer es für möglich gehalten, daß just die Partei, die stets für die Quelle aller inneren Anruhe oder Beunruhigung galt, daß just die revolutionäre, aufrührerische internationale Sozialdemokratie das Friedenswerk beginnen würde! Innerhalb der deutschen Sozialdemokratie ist es freilich eine aögesprengte Gruppe, von der man eine Störung der unseren deutschen Ansprüchen Rechnung tragenden Friedensarbeit befürchten konnte. Die Arbeitsgemeinschaft! And da ist es denn in einer gewissen, zu statistischen Mißdeutungen aufgelegten Presse mit besonderem Nachdruck hervorgehoben worden, daß in dieser, unserer Neichsregierung wie unserem Reichstag oft unbequemen Gruppe 39 Prozent Juden zu finden sind. Nun hat das Glaubensbekenntnis mit der politischen Gesinnung oder Parteirichtung nichts zu schaffen. Wer aus der charaktervoll schroffen, widerborstigen, regierungsstörenden Haltung einiger jüdischer Abgeordneter Schlüsse ziehen wollte auf die Tendenzen und die Nolle des Judentums ine Staate, der hätte ebenso falsche, ebenso sinnlose Schlüsse