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Im deutschen Reich · 1917-06-01 · Heft 6 (Juni 1917) · p. 253

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 6 (Juni 1917)
Article
[Ohne Titel]
Date
1917-06-01
Page
253 (sequence 3)
Language
German
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Wilhelm' voA Humboldts Beziehungen ^zum Judentum. 253 siebzehnjährige Verkäuferin in einem Bäckerladen Ida Franken st ein auftaucht. Das ist die Lebensmittelnot der Antisemitenpresse! Eine Eegenrechnung würde seltsame Reberraschnngen bringen! Nun leben wir freilich seit bald drei Jahren in erneut Taumel von Ueberraschungen. Eine der schmerzlichsten war es aber, daß die von den Engländern freigebig verheißene „Befreiung" Palästinas zunächst die harte Notwendigkeit mit sich brachte) die Juden aus Jaffa zu entfernen. Die Schreckensnachrichten über Grausamkeiten und Plünderungen waren freilich dadurch verdächtig, daß sie aus der „Times" und ähnlichen Blättern stammten, die sonst das Erbe der schmierigsten Progrom-Presse angetreten hatten» und sich nun plötzlich auf ihre frühere Iudenfreundlichkeit besannen. And wirklich waren jene Meldungen kraß übertrieben, wenn auch freilich die Notwendigkeit der Räumung bitter hart genug, schmerzlich genug bleibt. Aber es ist eine traurige militärische Notwendigkeit, eine Gebot der Verwaltung, keine Vergewaltigung. * Wilhelm dorr Humboldts Beziehungen zum Fudentum. Bon vr. Adolph Ko Hut, Königlicher Rat. Nachdruck verboten. Daß Alexander von Humboldt, der Aristoteles des 19. Jahrhunderts, ein warmer Freund der Juden und des Judentums war und mit Eifer, ja zuweilen mit glühender Begeisterung der den Juden damals noch vielfach vorenthaltenen staatsbürgerlichen Rechte sich angenommen hat, ist bekannt. Ich habe in einem vor 46 Jahren erschienenen, in vielen Auflagen verbreiteten Werk über „Alexander von Humboldt und das Judentum" diese Tatsache mit Dokumenten belegt. Weniger bekannt ist, daß auch der um zwei Jahre jüngere Bruder, der vor anderthalb Jahrhunderten (am 22. Juni 1767) in Potsdam geborene und am 8. April 1835 in Tegel bei Berlin gestorbene WilhelmvonHumb-oldt, einer der geistreichsten und gründlichsten Gelehrten und bedeutendsten Staatsmänner Deutschlands, ein Freund der Juden war und engere Beziehungen zu hervorragenden Juden unterhielt. Gleich seinem Bruder Alexander war auch er ein freiheitlich gesinnter Staatsmann. Als eine wesentliche Aufgabe des Staates betrachtete er die Sicherung der persönlichen Freiheit, also auch der Glaubens- und Gewissensfreiheit. Seine im Jahre 1792 geschriebenen „Ideen über Staatsverfassungen, durch die. fran-

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