Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1917)
- Article
- Der hygienische Standpunkt
- Date
- 1917-05-01
- Page
- 218 (sequence 5)
- Language
- German
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218 Im Deutschen Reich. Sie wenden sich am besten solchen Berufsarten zumit denen der Aufenthalt in freier Luft verbunden oder bei denen doch für ausreichenden Luftwechsel gesorgt ist (also nicht Schneider, Steinhauer oder bei höheren Berufen nicht Chemiker) Apotheker, Arzt — hingegen Forst-- und Seemannsberuf, alle landwirtschaftliche Tätigkeit). — Herzkranke eignen sich nicht für solche Berufe, welche Heben oder Tragen schwerer Lasten erfordern, oder welche einzelne Muskelgruppen andauernd intensiv in Anspruch nehmen, weil sich die schädliche Wirkung der Aeberanstrengung bei jungen und bereits herzkranken Personen schneller und schwerer geltend macht als bei erwachsenen und gesunden. Hier sei auch darauf hingewiefen, daß Herzschwäche und Herzfehler sehr häufig den Grund zu schlechten Schularbeiten bilden, ja eine einzige Massenarbeit ist dann geeignet, das Gleichgewicht des Wohlbefindens, ja des normalen geistigen Zustandes auf kürzere oder längere Zeit zu stören (wie ich einem ausgezeichneten Aufsatz von Prof. O. Presler-Hannover über die ,,Berufswahl von Knaben im Anschluß an höhere Schulen" in dem Sammelwerk ,,Das Buch vom Kinde" von Adele Schreiber entnehme). Wenn nun auch im Laufe der Zeit manche Herzfehler, besonders die Klappenfehler, bei vernünftiger Lebensweise sich bessern, ja bei leichteren Fällen gänzlich heilen, so ist darauf zu achten, daß nur eine ziemlich gleichmäßige und ruhig dahinfließende Berufsarbeit dem kranken Herzen zuträglich ist und daß Alkohol für sie wahres Gift sein wird. Die feineren technischen Gewerbe und die Bure-autätigkeit können bei Herzaffektiouen empfohlen werden. — Personen mit ausgebildeten Anterleiösbrüchen oder Veranlagung zu solchen sind ungeeignet für schwere Berufe. — Für junge Leute, die an Nervenschwäche leiden — eine Kategorie, die ich z. T. oben schon zur Besprechung gebracht habe —, finb nur solche Berufe geeignet, die einen möglichst ausgedehnten Aufenthalt im Freien gestatten, in denen die Arbeit nicht allzu anstrengend und die tägliche Arbeitsdauer nicht zu ausgedehnt ist. Wesentlich abhängig ist die Berufswahl von der Beschaffenheit der Augen; nur bei einem Drittel aller Menschen ist die Beschaffenheit des Sehorgans eine normale. Leute mit schwacher Sehkraft sind vor allem leicht zu Verletzungen und Anglücksfällen disponiert, daher sotten sie keinen Beruf wählen, der mit Gefahr verbunden ist, auch nicht solche, die an die Sehkraft bedeutende Anforderungen stellen, weil durch Reberanstrengung frühzeitiger Verfall der Sehkraft eintreten kann. Gas Tragen von Brillen, das für kurzsichtige und übersichtige Augen notwendig ist, bereitet für eine Aeihe von Berufen (Fahrpersonal der Eisenbahn, Marine ufw.) mehr oder weniger Schwierigkeiten. Dr. Nadzijewski, der über die Beziehungen der Augen zur Berufswahl sehr gründliche Untersuchungen