Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1917)
- Article
- Der hygienische Standpunkt
- Date
- 1917-05-01
- Page
- 217 (sequence 4)
- Language
- German
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Der hygienische Standpunkt. 217 führen bei ihnen in vielen Fällen zum Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt und manchmal zu vollständig zerrüttetem Nervensystem, das niemals eine volle Befriedigung im Beruf aüfkommen läßt. Die gelehrten Berufe sind daher durchweg vom Nebel für nervenschwache oder nervenkranke Persönlichkeiten. Ganz besonders gilt dies noch vom ärztlichen Beruf. Hier sei bemerkt, daß auch zum Dienst im Verkehrswesen (Post, Eisenbahn) nervöse Naturen nicht passen, ebenso stellt die Tätigkeit des spekulierenden Geschäftsmannes große Anforderungen an das Nervensystem, während die Tätigkeit des Landwirts, Gärtners, Försters und im allgemeinen die Ausübung eines Handwerks als heilbringend angesehen werden können. Leiden Knaben an Epilepsie, an Veitstanz, oder sind sie mit teilweisen Lähmungs- oder Krampfzuständen behaftet, so dürfte die höhere Schule und die von ihr zugängliche Berufswahlüberhaupt nicht in Frage kommen. Besonders sollte auch bei M ä d ch e n die körperliche Leistungsfähigkeit gelegentlich der Berufswahl besondere Beachtung finden. Das ist gerade so nötig wie die Berücksichtigung intellektueller oder gemütlicher Anlagen. Auf diesem Gebiet sind aber die Ansichten beim Publikum noch ganz ungeklärt. So bedenken weite Kreise nicht, daß der Beruf einer Pianistin eine starke Konstitution und gute Nerven erfordertdaß die Lehrerin, die viel sprechen muß, über gesunde Lungen und normalen Kehlkopf verfügen sollte; daß schwächliche, bleichsüchLige Mädchen sich nicht für eine sitzende Lebensweise eignen, sondern besser einen hauswirtschaftlichen oder landwirtschaftlichen Berns ergreifen sollten, bei dem Bewegung mit Nutze wechselt) und der sie viel in die Luft bringt. Auch auf eine gesunde Ernährung der Mädchen während der Zeit ihrer Berufsausbildung, die meist mit den Entwicklungsjahren zusammenfällt, muß mehr als bisher geachtet werden- und überall, wo der Beruf nicht eine allfeirige Bewegung mit sich bringt, soll den Mädchen Gelegenheit zu guter körperlicher Entwicklung und Kräftigung gegeben werden. Bezüglich der bei der Berufswahl und Berufsberatung hauptsächlich zu berücksichtigenden Körperorgane — deren Untersuchung nebst den hieraus für die Berufswahl zu ziehenden Folgerungen natürlich eine rein ärztliche Angelegenheit ist — diene kurz noch folgendes zur Erläuterung. In erster Linie kommen Lunge und Herz in Betracht. Junge Leute, deren Atmungsorgane bereits erkrankt sind, leiden unter Staubeinatmung, Einatmung von Gasen und Dämpfen sowie Erkältung schwerer, als von vornherein gesunde Personen. Dementsprechend müssen Personen mir flachem schmalem Brustkorb/ sowie Skrofulöse, solche, die an chronischen Erkrankungen der Atmungsorgane leiden oder an Tuberkulose selbst von allen die Atmungsorgane - gefährdenden Berufen ferngehaltetn werden.