Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1917-05-01 · Heft 5 (Mai 1917) · p. 216

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 5 (Mai 1917)
Article
Der hygienische Standpunkt
Date
1917-05-01
Page
216 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2316602-2316864-2316869-2352107--27190-2352205
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Im Datschen 9vcic&. derungen stellenden Beruf ergreifen wollen, bei etwas mangels Hafter Entwicklung ein Jahr später in die Lehre gebracht werden. Einzelne Berufe stellen aber beim männlichen Geschlecht an. die Gesundheit und Körperkraft ihrer Angehörigen besonders hohe Anforderungen. Ein Schmied, ein Schlosser, ein Maschinenbauer mutz ein kräftiger Mensch sein, der mit den schweren Werkzeugen, und Materialien mit Leichtigkeit umgehen kann. Einem jungen Menschen mit einem schweren Herzfehler, der nichtsdestoweniger das Schmiedehandwerk ergriffen hatte und dabei körperlich sehr litt, verschaffte ich seine alte Lebens- und Berufsfreudigkeit dadurch, daß er auf mein .Anraten seinen Beruf wechselte und Gärtner wurde. Ein Ahrmacher, ein Graveur, ein Feinmechaniker aber bedarf solcher Körperkräfte nicht, seine Lunge dagegen mutz vollständig gesund sein, weil die stete Beschäftigung mit zusammengedrücktem Brustkasten sonst schwere körperliche Folgen unangenehmster Art für den Betreffenden mach sich, ziehen kann. Andere Berufsarten, wie diejenige des Seemanns oster Gärtners, sind geeignet, schwächlichen Naturen, wenn sie nur sonst körperlich und geistig gesund sind, durch, den steten Aufenthalt in der frischen Luft und die deshalb notwendige kräftige Ernährung, die für diese Berufe erforderliche gestählte und kernige Gesundheit allmählich zu verschaffen. — Der Amstand, daß man allgemein den kaufmännischen Beruf für einen „sicheren'' ansieht als denjenigen eines Handwerkers, der Wahn, datz durch den Handel mühelos Neichtümer erworben werden können, und die Tatsache, datz der kaufmännische Beruf der letzte Notanker vieler junger Leute ist, die auf höheren Schulen nicht sortkommen oder sich der Schulordnung nicht fügen, hat — insbesondere gilt dies für uns Juden, für die ja auch noch andere Gesichtspunkte, z. B. die bisherige Verschließung mancher anderen beruflichen Bahnen — -zu einer ganz bedenklichen Aeberfüllung dieser Berufszweige geführt, die noch dadurch vermehrt wird, daß sich auch eine große Zahl weiblicher Hilfskräfte dem Handel zur Verfügung stellt. In welchem kaufmännischen Zweige man jemand unterbringen soll, richtet sich teilweise nach den Verhältnissen, teilweise nach seiner Neigung. Einen schwächlichen Knaben wird inan nicht in einem Eisengeschäst lernen lassen, einen mit einem körperlichen Fehler behafteten nicht hinter den Ladentisch stellen u. a. m. Ein Kaufmann darf nicht schwerhörig, nicht farbenblind und nicht verhindert sein, flott und geläufig zu reden. — Was die Berufe betrifft, die längere Studienzeit erfordern, wie die durch Aniversitätsstudium, Seminarien nsw. zu erlangenden Berufe, so tjr hierüber im allgemeinen folgendes zu bemerfcn: Nervöse Leute \inb keine Prüfungsuaturen, die Vorbereitungen auf die Prüfungen, womöglich verbunden mit Nahrungssorgen usw.z

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.