Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1917)
- Article
- Der hygienische Standpunkt
- Date
- 1917-05-01
- Page
- 215 (sequence 2)
- Language
- German
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Der hygienische Standpunkt. 215 materielle Berufszufriedenheit — erlangt der Mensch aber nur dann, wenn sich verschiedene Vorbedingungen bei der Wahl des Berufes harnionisch vereinigen: für den betreffenden Beruf geeignete körperliche Konstitution, Anlagen zu demselben, Interesse für ihn usw. Vor allem aber muß berücksichtigt werden, ob die körperliche Beschaffenheit der betreffenden Persönlichkeit für den zu wählenden Beruf geeignet ist. Das kann aber nur durch eine ärztliche Untersuchung — deshalb müssen in den tzaupt- und Zweigstellen für Berufsberatung überall AerzLe Sitz und Stimme haben — geschehen, die den augenblicklichen Gesundheits- und Kräftezustand des Kandidaten unter Berücksichtigung der erblichen Verhältnisse und vorausgegangenen Krankheiten feststellt. Diese Untersuchung darf aber nicht zu spät erfolgen, vielmehr bereits in der Mitte des letzten Schuljahres, ehe die Berufswahl stattgefundeu Hat. Beben der Schule sind die gewerblichen Korporationen und Institutionen am ersten berufen, sich um die Gesundheits- Verhältnisse der jungen Leute zu kümmern und dieselben ärztlich? feststellen zu lassen. Daß der Centralverein der Staatsbürger jüdischen Glaubens es durch seine Hauptstelle für Berufsberatung und die sich in Zukunft ihm angliedernden Zweigstellen unternimmt, die Berufsberatung für die Juden Deutschilands in konfessioneller Weise zu regeln, ist aufs freudigste zu begrüßen und bedarf keiner Rechtfertigung. Die hier maßgebenden Verhältnisse find den Lesern genügend bekannt und in letzter Zeit an dieser Stelle ausreichend erörtert worden., Ich will es versuchen, der ehrenvollen Aufforderung der tzanptstelle für Berufsberatung Folge leistend, in den nachfolgenden Darlegungen auf Grund meiner ärztlichen Erfahrungen und Beobachtungen und an Hand zweier diesbezüglicher ausgezeichneter Werke („Die soziale Hygiene des Iugendalters" von vr. W. Hanauer-Frankfurt a. M. und „Wegweiser für die Berufswahl" von Dr. Sommerfeld, Dr, Jaffa und Dr. Sauer) in großen Umrissen die hygienischen Gesichtspunkte darzulegen, die bei der Berufswahl ausschlaggebend sind oder vielmehr sein sollten. Die ärztlichen Untersuchungen haben ergeben, mit wie wenig Vernunft und Ueberlegung im allgemeinen ein Beruf erwählt wird. Es stellt!sich heraus, daß kleine, schwächliche, blutarme Iungeu mit dünnen Knochen und schlechten Muskeln schwere Handwerke erlernen sollen, Herzkranke Bäcker oder Schneider werden, Lungenkranke Schleifer oder Zigarrenmacher u. ä, m. Wo es notwendig ist, wird bei diesen Untersuchungen zuerst ärztliche Behandlung empfohlen, namentlich den Eltern davon abgeraten, den Jungen sofort nach der Schulentlassung in eine Lehre zu geben, auch empfohlen, daß Jungen^ die einen an die Körperkräfte viel Mnfor-