Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1917)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1917-05-01
- Page
- 204 (sequence 4)
- Language
- German
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204 Inr Deutschen Reich. die Finger klopfen lassen. Die „Times“ wachen in London die Entdeckung, daß ln Reval „jüdische Studenten" die Empörung gegen die provisorische Negierung anzetteln. Das Londoner Blatt begeht dabei) von der Verlogenheit abgesehen, zwei Dummheiten. Es übersieht erstens, daß die russische Rm- Wälzung sicherlich keinem willkommener war als der russischen Jugend, die in der Revolution das Ende der Untcrdrückerherrschaft begrüßt, und übersieht ferner, daß es eine so erheblich in Betracht kommende jüdische Studentenschaft in Rewal gar nicht gibt. Die Juden wurden da nur selten zum Uni* versitätsstudium zugelassen. Sie mußten, wenn sie studieren wollten, ausländische Hochschulen aufsuchen. Die russischen BläLter weisen denn auch die Londoner Hetzereien kräftig zurück. Das Londoner Blatt, das fetzt die Taktik der russischen Spitzel übernimmt, unliebsame Verstimmungen in der Bevölkerung au/f. die Juden abzulenken, wird sich vom Brandmal dieser Pogrom-Politik nie wieder befreien können. In Wirklichkeit haben die Juden in Rußland die Beseitigung des für ewige Zeiten mit dem Fluch der Pogromwirtschaft beladenen, mit dem Brandmal der Iudenmetzeleien behafteten Zarentums aufatmend als Befreiung, die neue Volksherrschaft als Erlösung empfunden. Freudig sind die der Knutenherrschaft entronnenen Flüchtlinge aus Skandinavien, aus der Schweiz nach Rußland heimgekehrt. In allen Provinzen haben sich die Juden willig in den 'Dienst des neuen Systems gestellt und ohne Aeberstürzung, ohne jede Gier der . politisch AnsgehungerteN) nehmen sie die ihnen eingeräumten Rechte in Besitz,; mit einer gewissen Behutsamkeit und Vorsicht sogar. Gehörte doch bis vor kurzem zur neuen Regierung auch ein Gutschkow, der Besitzer des vordem judeuhetzerischen „Nowoje Wremja“, der auch zuletzt noch in Sachen der Juden verlegene Zurückhaltung bewahrte. Sind doch in den Konsulaten der neutralen Länder die 'Paß-Verordnungen für Juden noch nicht aufgehoben. Geschieht doch noch wenig für die Wiederauslieferung der als Geiseln verschleppten, ins tiefste Elend geführten deutschen und. österreichischen Juden. In dieser Richtung gewährte die Jahresversammlung des öilfsvereins der deutschen Juden jüngst einen aufrichtenden, einen erhebenden Einblick in lein Hilfswerk, das einen seltenen Schatz an liebedurchwärmter 'Arbeit, an organisatorischem Genie und an opferfreudiger Selbstentäußerung darstellt. Das Liebeswerk dieses Hilfsvereins an den Opfern der Verfolgung in allen Ländern ist von je ein stolzer Ruhmestitel der deutschen Iudenheit. Diesmal konnten der Vorsitzende, Dr. James Simon, und der unermüdliche Dr. Paul