Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1917)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1917-05-01
- Page
- 203 (sequence 3)
- Language
- German
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AmschaiLr 203 'gierutig, die konservative Partei, in einen Gegensatz zum Reichskanzler geriet wie etwa in den Tagen des DeklarantenLüms vor mehr als vierzig Jahren. Sie sind eben heute noch, wie Goethe sie vor mehr als einem Jahrhundert gekennzeichnet hat? ........ die Ritter. Sie stehen jedem Ungewitter Und nehmen Kirche und Staat Zum Lohn. Mutet es nicht seltsam an, wenn jetzt die konservativen Erbpächter der Königstreue mit dem Revolutionsgespenst schrecken, mit der Bedrohung der Monarchie, und wenn Exzellenz v. Gebsattel sich dieserhalb eine Zurückweisung des Reichskanzlers gefallen lassen muß! And die „Deutsche Tageszeitung" muß. sich von der hierzu „ermächtigten" „Nordd. Allg. Ztg." sagen lassen, ihr „Arbeiten mit Erfindungen ist geeignet, nicht nur dem feindlichen Ausland gegenüber Schäm den zu stiften, sondern auch unser bundessreundliches Verhältnis zu Oesterreich-Angarn zu stören". Bei diesen Herren heißt es eben heute wie ehedem: „And der König absolut, wenn er unfern Willen tut." Die widernatürlichste Amgestaltung sehen wir aber staunend in England sich vollziehen. Die verkehrte weih dazu macht der Krieg unsere arme Erde in so vielem. Vernunft wird Ansinn, Wohltat Plage. Mit allen bürgerlichen Gesetzen sind auch die göttlichen zehn Gebote in so manchem Punkte aufgehoben. Töten wird vaterländische Pflicht, Erbarmen wird zur weichlichen Gesinnungslosigkeit. Wir müssen es froh begrüßen, wenn Lausend und abertausend blühende Jünglinge aus dem Feindesland durch das Feuer der Geschütze oder in den MeeresfluLen mit dem versenkten Transportschiff untergehen, denn diese Tausende waren ausgesandt, um unsere Söhne, unsere Brüder zu töten. Ein Stück wehmütiger, aber auch aufreizender Tragikomik liefert jetzt aber die englische Presse. So mußte es kommen! Londoner Blätter unternehmen es mit allem Aufwand an bewußter Lüge, mit allem Aufgebot schmutzigster Verleumdung, gegen die russischen Juden zu Hetzen und vordem judenfeindliche russische Zeitungen beschuldigen die „Times" der „niederträchtigsten Verlogenheit" Ehedem war es eine vornehme Ausgabe der lenglischen Presse, das Recht der Menschlichkeit und Gesittung zu vertreten gegenüber den Bestialitäten der russischen Pogrome, eine Aufgabe, der auch die .,Times*; sich nicht entzogen. Im Krieg aber, an das tägliche Abblasen der publizistischen Giftgase gewöhnt, gefällt sich das führende Londoner Weltblatt in der Rolle! der Lügenpresse, die den russischen Diebsgesindel-Pogromen vorarbeitete und muß sich von den russischen Blättern derb auf