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Im deutschen Reich · 1917-04-01 · Heft 4 (April 1917) · p. 167

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 4 (April 1917)
Article
Deutschtum und Judentum
Date
1917-04-01
Page
167 (sequence 4)
Language
German
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Deutschtum uub JlldenLum.- 167 sondern mehr noch das der Gemeinschaft, der Religion selber. Die ganze Tiefe von Wesensgleichheit von Judentum und Deutschtum offenbart sich Cohen im deutschen Humanismus und im Sozialismus, jenen beiden Grundpfeilern jüdischer SiLLenlehre. Die vorbildliche Art, in der Deutschland die Sozialpolitik als seine wichtigste Menschheitsaufgabe betrachtet, beweist, wie sehr der Sozialismus, die Schöpfung des alten Judentums, von der deutschen Seele Besitz ergriffen hat. In innigem Zusammenhang mit diesen beiden Begriffen steht der Messianismus, aus dem die jüdische Menschheitsidee entsteht. Auf eben demselben Boden ist der deutsche Menfchheitsgedanke erwachsen, wie ihn Herder und Kant auferbauen, und so stimmen auch hier in Grundideen wie in den letzten Zielen Deutschtum und Judentum überein. Im letzten Teile seines Buches wendet sich Cohen der Frage zu, was sich aus der Erfahrung unserer und früherer Zeiten für die Bestimmung des Menschengeschlechts und insbesondere für die Bestimmung des Deutschtums ergibt. Er hofft auf eine soziale Verjüngung des gesamten deutschen Volkes, die daraus erblühen kann, daß die Pflanzstätten der nationalen Bildung ohne soziale Einschränkungen jedermann zugänglich werden. Aus dem neuen Deutschland sieht er den Mittelpunkt eines Staatenbundes werden, der den Weltfrieden verbürgt, wenn er die Auswüchse und Gelüste des Kapitalismus zu überwinden vermag. Auch dieses Zukunftsbild führt Deutschtum und Judentum wieder zusammen, denn der ewige Friede ist der Inbegriff der messianischen Verheißung des Judentums, und es bedeutet keinen Widerspruch zu ihr, wenn Cohen das Heil nicht aus der nationalen Vermischung und Auflösung, der Verwischung der Eigentümlichkeiten der Völker, sondern aus dem Zusammenschluß individuell differenzierter Nationen zu einem Staatenbunde erstehen läßt. Neber den Weg zu diesem letzten Ziel sagt er ein kraftvolles Wort: ,,D er Monotheismus des Judentums ist das unerschütterliche Bollwerk für alle Zukunft der sittlichen Kultur." Cohen ist ein viel zu bedeutender Mensch und ein viel zu selbständiger großer Denker, als daß er kleineren Geistern das Recht der eigenen, abweichenden Meinung verwehren würde. Daß sein Buch im nationaljüdischen Lager ebenso scharfe Gegner gefunden hat, wie im alldeutschen, wird keinen in Erstaunen setzen, wenn auch die Angriffe keineswegs so persönliche und gehässige Gestalt wie in der Entgegnung von Mar Hildebert Boehm (in den Preußischen Jahrbüchern) hätten annehmen brauchen. Aber auch sonst hat er keineswegs unbedingte Gefolgschaft gefunden. Auf die Einwände von philo-

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