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Im deutschen Reich · 1917-04-01 · Heft 4 (April 1917) · p. 166

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 4 (April 1917)
Article
Deutschtum und Judentum
Date
1917-04-01
Page
166 (sequence 3)
Language
German
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166 Im Deutschen Reich. übernomnten worden sind wie die sozialer: Anschauungen. Die auf diesem großen Gebiet durchaus jüdische Grundlage des Christentums tritt natürlich in der von ihm beherrschten Kultur stark zutage, und ganz folgerichtig denkende Antisemiten sind bekanntlich aus diesem Grunde erbitterte Feinde des ,,verjudeten" Christentums. Dieser Zusammenhang mit dem Judentum gilt nun für jede Kultur, die sich auf dem Christentum aufbaut, also neben der deutschen auch für die russische, französische, italie- Nische und für viele andere auch. Deutschland aber, das Land der Reformation, weist innerhalb der Geschichte der christlichen Kirche eine besondere Entwicklung auf. And. bei ihr fetzt die Arbeit Cohens ein. Durch die drei Hauptgebiete der Kultur, durch Religion, Kunst und Philosophie führt er uns hindurch und zeigt, wie hier der geschichtliche Gang in Deutschland -- von der allgemeinen Linie des Christentums in anderen Ländern abweichend — merklich den innigen Zusammenhang, ja die Wesensgleichheit mit alten jüdischen Anschauungen offenbart. Gewisse Grundbegriffe der Religion, die der deutschen Denkweise eigen sind, wie die Gottesanschauung, die im höchsten Wesen das einzige wirkliche Sein erblickt, und die Lehre von der ursprünglichen Reinheit der Menschenseele, nehmen altes jüdisches Gut wieder auf, und für die Entwicklung der Lyrik wie der Musik will Cohen ein Gleiches Nachweisen. Die starken und auffallenden äußerlichen Zusammenhänge zwischen der Iudenheit und Deutschland sind demnach nicht zufälliger Natur. Es geht aus diese innerliche Wesensgleichheit zurück, wenn elf Zwölftel der gesamten Juden einen deutschen Dialekt als Umgangssprache zäh bewahren, wenn sie in Ländern fremder Zunge und Sitte den deutschen Ursprung und die deutsche Richtung ihrer Kulturanschauungen nicht verleugnen. So ist es auch natürlich und leicht erklärbar, wenn gerade das deutsche Judentum für die ganze Gemeinschaft von überragendem und entscheidendem Einfluß geworden ist, wenn es die moderne jüdische Wissenschaft geschaffen hat, wenn in ihm die wesentlichen religiösen. Kämpfe und Fortschritte vor sich gegangen sind, warum es der Segensquell wurde, aus dem für die Iudenheit aller Welt seelische Ausrichtung in den Tagen der Verzweiflung und tatkräftige Hilfe bei jeder Notlage gekommen ist. Deutschland ist das Mutterland der jüdischen Seele, und darum hält es Cohen, für besonders widerwärtig, wenn ausländische Juden, wie Zangwill -und Bergson, in den Tagen des Weltkrieges sich schmähend gegen ihre geistige Heimat gewandt haben. Diese innige und tiefgehende Verknüpfung ist auch der Grund, der uns mit sittlichem Rechte die Gleichberechtigung fordern läßt, nicht nur das. individuelle Menschenrecht eines jeden einzelnen Juden,

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