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Im deutschen Reich · 1917-04-01 · Heft 4 (April 1917) · p. 165

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 4 (April 1917)
Article
Deutschtum und Judentum
Date
1917-04-01
Page
165 (sequence 2)
Language
German
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Deutschtum und Judentum.- 165 der deutschen Kultur unvereinbar ist. Stimmt die auf jüdischer Grundlage erwachsende kulturelle Arbeit in ihren Wegen und' Zielen mit der aller andern Glieder des deutschen Vaterlandes überein? Fördert sie darüber hinaus das Ganze und stellt sie einen wertvollen Einschlag dar? Das ist der wichtigste, fast der einzige Gesichtswinkel, unter dem man das Verhältnis von Deutschtum und Judentum zu untersuchen, hat. Die Erfahrung hat längst eine deutliche Antwort gegeben. Der Jude hat sich — seitdem er ein gleichberechtigtes Glied des Deutschtums geworden ist — überall eingefügt und wacker auf allen Gebieten deutscher Kultur mitgearbeitet, manche von ihnen verdanken sogar ein gutes Stück ihrer Bedeutung dem jüdischen Streben. Die Namen der Männer und Frauen jüdischen Bekenntnisses, die in der Kulturentwicklung des deutschen Vaterlandes ruhmreich genannt werden, erreichen eine sehr stattliche Zahl. Es wird allerdings dem deutschen Juden von manchen Seiten sein Deutschtum abgesprochen. Der Bassenantisemitismus stellt seine Kulturarbeit als völlig wertlos und darum schädlich hin, eine mildere Richtung hat ihr gewiß die Bedeutung an sich nicht abgesprochen, erklärt sie aber ihrem angeblich östlichen Ursprung gemäß für fremdartig und mit Deutschtum flir unvereinbar. And so sehr es zu verurteilen ist, so begreiflich ist es, daß solche Anschauungen im Judentum ihren Widerhall finden und daß manche nationaljüdischen Kreise in dasselbe Horn blasen. Die objektiven Tatsachen werden jedoch durch solche bedauerlichen Ausschreitungen nicht berührt, und der große Krieg, in welchem es um die deutsche Kultur und ihre Zukunst geht, hat gewiß bewiesen, wie sehr Deutschtum und Judentum miteinander verwachsen sind. Solche Opfer an Blut und Gut, wie sie die deutschen Juden an der Seite ihrer christlichen Volksgenossen in diesen schweren Tagen gebracht haben, leistet man nur einer Sache, der man im innersten seiner Seele eng verknüpft ist, die zu einem Teil des eig enen Wesens getuor^ b tu i)t Die Zusammenhänge erwachsen aber nicht nur aus der Gegenwart und ihren Aufgaben. Auch die Grundlage deutscher Kultur weist jüdische Elemente auf, die übrigens das restlose Einfügen der jüdischen Bestrebungen für alle. Zeiten durchaus erklären. Die Bedeutung der christlichen Religion für den Aufbau der Kultur in den europäischen Staaten ist unermeßlich groß, war sie doch im Mittelalter der lebendige Quell, aus dem allein Anregung und Kraft in die Welt floß, war sie es doch, die Staaten und Menschen innerlich wie äußerlich beherrschte. So selbständig nun das Christentum in der Dogmatik geworden ist, so abhängig vom Judentum bleibt es in der Ethik, deren Grundbegriffe ebenso vollständig

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