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Im deutschen Reich · 1917-04-01 · Heft 4 (April 1917) · p. 154

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 4 (April 1917)
Article
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Date
1917-04-01
Page
154 (sequence 6)
Language
German
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154 Im Deutschen Reichs und öffentlichen Dienste, das ist die Belohnung der Taufe, selbst wenn sie gesinnungslos erfolgt, seitens der berufenen Wächter politischer und religiöser Sittlichkeit. Gewiß hat der Dreysushandel in Frankreich die schlimmsten antisemitischen Instinkte der Massen hervorgelockt, und diese Wirkung ist bewußt von gewissenlosen Politikern gewünscht worden. Trotzdem hat während des Dreysushandels und nach dieser Zeit eine staatliche und behördliche Zurücksetzung der Juden in Frankreich niemals Platz gegriffen. Die russischen Progrome sind von den Juden der ganzen Wegt als das gräßlichste Martyrium betrachtet worden, das seit der Beendigung des Mittelalters über irgendeine jüdische Gemeinschaft hereingebrochen ist. Wollte Gott nur, baß auch unsere christlichen Glaubensgenossen diese Schändlichkeiten so tief empfunden hätten wie wir Juden ohne Unterschied der staatlichem Zugehörigkeit. Von Rußland hatte aber niemals ein vernünftiger Mensch behauptet, daß es ein Rechtsstaat sei, der Anspruch darauf mache, unter die zivilisierte Kulturgemeinschast der euro,- päischen Völker ausgenommen zu werden. Hinzukommt, daß, wie alle Juden und sehr viele Christen fest überzeugt sind, die russischen Progrome erst möglich geworden sind, nachdem eine deutsche sogenannte Wissenschaft und die deutsche Praxis den Raffenunterschied zwischen Juden und anderen Völkern in den Vordergrund geschoben und die Juden als eine minderwertige Rasse gekennzeichnet haben. Diese Ausführungen sollen keineswegs eine Verteidigung des Deutschenhasses sein, der uns von allen Seiten umgibt, sie sollen lediglich dartun, daß man in Deutschland nicht jeden Neutralen, der der deutschen Sache ungünstig gesinnt ist, schlechte und eigennützige Motive unterstellen darf, daß man insbesondere den außerhalb der deutschen Grenzen lebenden Juden Verständnis entgegenbringen muß» wenn sie die Verhältnisse schlimmer aufsassen und dies zu erkennen geben, als wir deutschen Juden, im Interesse unseres Vaterlandes in treuer, stets unerschütterlicher Liebe zu ihm es tun. Wir deutschen Juden haben nicht als Juden am meisten unter diesen traurigen Verhältnissen gelitten» unsere Arbeitskraft ist dadurch gestählt, das Zusammenhalten vertieft, die Anhänglichkeit an die Aeberlieferung der Vorfahren geläutert worden, als Deutsche aber haben wir mit tiefster Besorgnis und größtem Schmerze die Wirkung der antisemitischen Regierungstendenz feststellen müssen. Diejenige Maßnahme der Regierung, die wegen der besonderen Amstände und wegen des Zeitpunktes als die betrüblichste uns Juden betroffen hat, ist die unsere Würde aus das Tieffte verletzende, während des Krieges augeordnete Iudenzählung im Heere, und die von dem Haushaltungsau'sschuß des Reichstags beschlossene, dann aber nicht durchgeführte Iudenzählung in den

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