Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 4 (April 1917)
- Article
- Niedriger hängen!
- Date
- 1917-04-01
- Page
- 153 (sequence 5)
- Language
- German
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153 Niedriges WtgenI holländisches) noch etwas spezifisch Jüdisches zur Begründung braucht) wenn sie sich für die mit so großem Geschick als Schaugepränge in den Vordergrund geschobenen sogenannten sreieü Verfassungen Frankreichs und Englands erklärt. Dürfen wir nicht jetzt, nachdem sich die Verhältnisse wenigstens hinsichtlich der Behandlung der Sozialdemokraten geändert haben, nicht noch weiter gehen und auch, als Deutsche das Bekenntnis gewisser Schuld ablegen? War es für unsere internationalen Beziehungen günstig, daß die Sozialdemokratie in der Weise, wie es bis vor dem Kriege geschehen ist, als vaterlandsfeindlich, als mnstürzlerisch behandelt oder vielmehr mißhandelt wurde? Würde es nicht um unsere Beliebtheit unter den benachbarten Völkern besser Stehen, wenn nicht so viele berechtigte Mitteilungen über polizeiliche Drangsalierung anständiger, der Sozialdemokratie angehörender Menschen überunsere Grenzen gelangt wären? Rnd nun hinsichtlich der Juden: Durfte man es den holländischen Juden verübeln, nicht für Deutschland zu schwärmen, wenn sie auf Schritt und Tritt erfuhren, wie z. B. gerade in dem Bachbarstaate Preußen der jüdisch Geborene nur dann Offizier, Negierungsassessor, Landgerichtsdirektor, von höheren Stellen ganz zu schweigen, werden konnte, wenn er vorher der Taufe sich unterzog? Mußte da der holländische Jude, der bei sich zu Hause jüdische Minister, jüdische Mitglieder des Hohen Staatsrates, jüdische hohe Offiziere als selbstverständliche Erscheinungen kannte, nicht zu der Reberzeugung gelangen, daß. er mit dem Schritte über die Grenze sich von einem vorgeschrittenen Lande in ein rückständiges Land begebe? ^Unterrichtete er sich dann näher, dann lernte er bald, daß. die Theorie des Antisemitismus, die diese ganze schändliche Bewegung in der zivilisierten Welt erst möglich gemacht hat, die erst den Dreyfushandel und erst die russischen Progrome zur Entstehung hat kommen lassen, daß diese Theorie aus deutschen Hochschulen von deutschen Professoren nicht nur früher gelehrt wurde, sondejrn ständig weitest gelehrt wird, widerspruchslos zugelassen, wenn nicht begünstigt von den maßgebenden Kreisen des deutschen Volkes. Der Aufsatz der Kölnischen Zeitung meint, daß in Holland der Antisemitismus ebenso üppig, vielleicht nur etwas stiller, seit Jahrhunderten in Blüte steht wie in Deutschland, und er erwähnt ironisch, dast natürlich das französische Volk für die Behandlung von Drehsus nicht verantwortlich sei, wie auch das russische Volk für die Pragrome. Dadurch wird der wahre Zustand der Dinge verschoben. Ob in Holland wirklich der Antisemitismus in gesellschaftlicher Beziehung so üppig blüht, wie in Deutschland, darüber soll hiev nicht gestritten werden; nach unserer Auffassung ist es durchaus nicht der Fall: Was aber in Holland niemals geblüht hat, das ist die staatliche Zurücksetzung von seiten der maßgebenden Behörden, das ist die Brachlegung tüchtigster jüdischer Kräfte im Staats-